Sonntag, 6. Januar 2013

Ja, es gibt mich noch...

... und ich bin zurück in Turku. Diesmal erfolgte die Anreise allerdings nicht per Flugzeug, sondern mittels Zug und Fähre, mit einem längerer Zwischenstopp in Stockholm. Aber bevor ich von der Rückfahrt erzähle, kommt erst einmal eine nette Geschichte über das finnische Ärztesystem und mein Abreise-Stress.
Der letzte Tag vor meinem Abflug Richtung Deutschland sollte eigentlich vorweihnachtlich ruhig enden. Zusammen mit Milena, Karin und Oliver wollte ich mich am Abend noch einmal auf eine kleine Weihnachtsfeier im Labor treffen. Um meine Reisetasche zu packen, fuhr ich aber erst einmal nach getaner Arbeit nach Hause. Allerdings kam ich dort nicht zum Sachen packen. Stattdessen fielen mir im Hausflur bunte Blitze in meinem linken Auge auf. Also habe ich mich für ein paar Minuten zuhause hingelegt. Leider ging das Geflimmere im Auge davon nicht weg und auf Anraten meines Augenarztes in Deutschland wollte ich dann doch mal einen Arzt aufsuchen. Während ich mit Linnea telefonierte, in der Hoffnung, sie könnte im Internet herausfinden, wo ich gegen 18 Uhr noch einen Augenarzt finde, machte ich mich auf den Weg zum Optiker. Der versuchte, noch einen Augenarzt im privaten Ärztehaus nebenan zu finden und schickte mich schließlich in die Notaufnahme der Uniklinik. Dort saß ich dann für gute zwei Stunden - die Blitze hatten sich zwar nach etwa einer Stunde erledigt, aber so ganz geheuer war mir die Sache dennoch nicht. Als ich die Sprechstundenhilfe das nächste Mal traf, habe ich mit ihr vereinbart, dass ich im Nebengebäude warte und sie mich anrufen soll, wenn der Arzt Zeit für mich hätte. Kurz darauf kam auch gleich der erste Anruf - ich war gerade erst im Labor angekommen - allerdings wollte die Krankenschwester mir nur berichten, dass der Arzt keine Notwendigkeit sieht, mich zu untersuchen, ich aber gerne noch einmal mit ihm persönlich reden kann. Also wartete ich auf den nächsten Anruf... und feierte noch eine kleine Weihnachtsfeier mit meinen Kollegen. Als nach beinahe 2 Stunden immer noch kein Rückruf erfolgt war, habe ich die Krankenschwester noch einmal angerufen, die mich sofort mit dem Arzt verbunden hat. Der erklärte mir dann 10 Minuten lang, dass ich mehr Symptome haben müsste, um von ihm in dieser Nacht untersucht zu werden - mittlerweile war es ja Nacht. Ich solle jedoch am nächsten Tag sobald ich in Deutschland bin einen Augenarzt aufsuchen und Ruhe bewahren, falls während des Fliegens mehr Symptome auftreten. Am Ende erklärte er mir noch freundlich, dass die Situation auch nicht anders wäre, wenn ich finnischer Staatsbürger wäre. Ich weiß bis jetzt nicht, wann und weshalb meine Nationalität auf einmal Thema der Unterhaltung wurde - aber ich weiß, dass der Arzt die 10 Minuten dieser Unterhaltung auch in eine Untersuchung hätte investieren können... Die wurde dann am nächsten Tag in Deutschland durchgeführt und glücklicher Weise schienen die Blitze lediglich von einer Augenmigräne herzurühren.
Gegen Mitternacht war ich dann schließlich wieder zuhause und mir blieben noch vier Stunden zum Sachen packen und schlafen. Aber wenigstens hatte ich die meiste Wartezeit nette Kollegen um mich herum, die mich abgelenkt haben und den Abend trotz Notaufnahme-Chaos und Blitzen im Auge irgendwie gerettet haben. Am 19.12. früh morgens ging es dann reichlich müde mit der ersten Maschine über Kopenhagen nach München, um mit meiner Familie Weihnachten zu feiern.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Die Firmen-Weihnachtsfeier...

... dieses Jahr war voller Überraschungen. Das begann schon mit dem Begrüßungstrunk, der Stilecht für Biologen in Probenröhrchen verteilt wurd. Natürlich durfte auch der Weihnachtsmann nicht fehlen, allerdings hatte er ein paar fragwürdige Geschenke dabei. Er dachte, dass wir aufgrund unseres Berufes die leuchtende Nase seines Rentieres verbessern und ihm bei der Zucht neuer Rentiere behilflich sein könnten. Also hatte er Rentier-Blut und DNA und sogar eine Spermaprobe im Gepäck... Nach ein paar weiteren Biologen/Mediziner-Witzen wurden dann auch noch echte Geschenke verteilt. Jeder von uns sollte ein kleines Geschenk mitbringen, das am Anfang der Feier in einem großen Sack verschwand, aus dem wir später unsere Geschenke ziehen durften. Am häufigsten waren eindeutig Süßigkeiten im Weihnachtsmann-Sack. Aber das mit Abstand coolste Geschenk des Abends hatte Karin gezogen, ein Plüschsteckenpferd bzw. Einhorn in rosa, das auf Knopfdruck Galopp-Geräusche und ein wiehern von sich gab. Wenn das Geschenke-Wichteln nun zur Tradition wird, freue ich mich schon auf all die Spaßgeschenke im nächsten Jahr :-).
Eine weitere Überraschung war das Beschäftigungsprogramm des Abends. Matti hatte zum ersten mal seit Jahren keinen Auftritt als Zauberer. Vielleicht muss er sich immer noch von seiner Blinddarm-Operation vor 3 Wochen erholen. Aber dafür hat seine Tochter am Unterhaltungsprogramm mitgearbeitet. Als halbnackte karibische Tänzerin! Leider wurde mir erst nach der Show offenbart, dass eine der beiden Tänzerinnen die Tochter unseres Professors ist, so dass ich nicht auf seine Reaktion während der Show geachtet habe... Zum Abschluss des Programms wurden dann ein paar Musikinstrumente herbei geholt und wir sollten die Musik für die Tänzerinnen spielen. Den restlichen Abend gehörte die Tanzfläche dann allen, die tanzen wollten. Gegen 2 Uhr nachts mussten wir dann den Veranstaltungsraum aufräumen und verlassen. Die meisten Doktoranden haben sich noch auf den Weg ins Büro des Studentenrats gemacht, um dort noch eine Weile weiter zu feiern.
Den heutigen Vormittag habe ich daher verschlafen. Nach dem Aufstehen war gerade noch Zeit für ein schnelles Frühstück und zum Duschen, bevor ich zum Einkaufszentrum musste, um Geschenke einzupacken. Keine Sorge, das ist nicht mein Nebenjob weil mir mein Chef nicht genug Gehalt zahlen will. Wir wollten einfach etwas Gutes tun. Oliver (Doktorand aus Estland), Karin (Masterstudentin, auch aus Estland) und ich hatten beim Einkaufen für Matteos Geburtstagsgeschenk Anfang Dezember den Geschenke-Einpack-Service des Finnischen Roten Kreuzes gesehen und uns gedacht, dass es eine schöne Sache wäre, dort mal auszuhelfen. Und da der Terminkalender in den späteren Dezemberwochen noch sehr leer war, haben wir uns an zwei Tagen für ein paar Stunden zum Geschenke verpacken eingetragen. Die Idee dahinter ist, dass wir unsere Zeit und Arbeitskraft spenden, und die Kunden ein wenig Geld ans Rote Kreuz spenden. Und wir hatten auch noch jede Menge Spaß dabei :-). Nach unseren zwei Stunden hinter dem Einpack-Tresen waren wir noch gemeinsam einen Kaffee trinken und haben Weihnachtsgeschenke-Brainstorming betrieben, in der Hoffnung, dass den Anderen jeweils eine bessere Idee für die Eltern, Geschwister und Freunde einfällt, als einem selbst... Das war leider nur mäßig erfolgreich aber dafür umso witziger.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Dieses Jahr har er mich kalt erwischt...

... der Vorweihnachtsstress - nicht der Winter. Ich war die letzten Wochen so sehr mit der Arbeit beschäftigt, dass ich nicht wirklich mitbekam, wie weit das Jahr schon voran geschritten war. Und ide ersten freien Tage habe ich mich gleich in einen Kurzurlaub gestürzt und auch nicht großartig über die Zeit nachgedacht. Heute beim planen der kommenden Versuche habe ich mich dann doch ein wenig erschrocken. Kommende Woche am Mittwoch sitze ich schon im Flugzeug nach München - und damit steht Weihnachten dann auch schon direkt vor der Tür. Die kommenden Tage werden auf jeden Fall sehr vollgestopft sein. Ich brauche immer noch ein paar Weihnachtsgeschenke. Die Weihnachtsfeier meiner Abteilung steht noch an, einige Projekte auf Arbeit sollten noch abgeschlossen werden und ich will immer noch Zeit für meine (zugegeben recht wenigen) Freizeitbeschäftigungen finden. 
Also habe ich heute lange gearbeitet, dann die letzte Stunde in der ich warten musste, dass ein Versuch fertig ist mit Milena geredet, die auch noch auf Arbeit war und mich danach mit meinem Brettspielclub getroffen. Und danach noch versucht, ein paar Weihnachtsgeschenkideen aus meinem Kopf hervorzukramen.

Montag, 10. Dezember 2012

Am letzten Tag meines Kurzurlaubs in Jyväskylä…


 Achtung! Zweiter Blogeintrag für Sonntag Abend/die Nacht von Sonntag auf Montag! Wenn ihr nichts verpassen wollt, lest erst einmal den Bericht über Samstag.

… haben wir den Tag ruhig angehen lassen. Nach der Sauna am Vorabend sind wir erst recht spät ins Bett gegangen. Wir hatten auch kein Ausflugsziel mehr das uns nach draußen gelockt hätte. Vier Tage in Jyväskylä sind mehr als genug, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuklappern. Nach dem Mittagessen habe ich dann schnell meine Sachen zusammengepackt und wir nochmal auf den Weg zur Innenstadt begeben. Unser Weg führte uns vorbei an allen drei Weihnachts- bzw. Handwerksmärkten der Stadt. An der Stadtkirche wärmten wir uns dann mit Glögi auf und vertrieben uns ein wenig Zeit in der Kirche. Danach gingen wir zurück zum Auto, holten mein Gepäck und verabschiedeten uns am Bahnhof.

 Das Theater in Jyväskylä ist ein weiteres, von Alvar Aalto designtes Gebäude.

 Noch ein letzter Blick auf die Stadtkirche Jyväskyläs bevor mich mein Weg wieder nach Turku führt.

Die Zugfahrt dauerte deutlich länger, als geplant. Irgendwo zwischen Jyväskylä und Tampere ging der Triebwagen kaputt, so dass wir eine ganze Zeit warten mussten, bis ein Ersatz-Triebwagen aus Tampere eintraf. Anschließend war jeder Stop mindestens eine viertel Stunde lang, da wir auf Zusteigende Fahrgäste aus anderen Zügen warten mussten. Und irgendwie befürchte ich, dass diese Passagiere nicht eine spätere Verbindung gebucht hatten, sondern tatsächlich mit unserem Zug fahren sollten und noch mehr Verspätung hatten, als wir. Denn was ich bisher über das finnische Zugsystem im Winter gehört habe, verspricht nichts Gutes. Aber nun bin ich wieder zurück in Turku und morgen beginnt der Arbeitsalltag erneut. Doch Weihnachten ist nicht mehr weit entfernt und somit ist auch schon der nächste Urlaub in Reichweite.

Am dritten Tag in Jyväskylä…


…gingen uns langsam die Sehenswürdigkeiten aus. Selbst das kleine Touristeninformationsheft war nicht sonderlich kreativer als wir. In näherer Umgebung zur Stadt blieb uns an interessanten Museen nur noch das Luftfahrtmuseum Mittelfinnlands, in dem wir unseren Samstag Vormittag verbrachten. Das Museum erzählte sehr detailliert von der finnischen Luftfahrtgeschichte. Neben verschiedenen Flugzeugen, die aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien importiert wurden, war auch ein in Finnland produziertes Flugzeug und der erste Flugsimulator zu sehn. Probesitzen im Cockpit eines Jets war auch möglich  aber bei so vielen seltsamen Knöpfchen glaube ich, ich bleibe lieber bei meinem Beruf.

 Nein, das ist kein Kinderspielzeug. Das ist ein Flugsimulator für Piloten. Naja, einer der ersten.

 Und auch dieses kleine Flugzeug ist kein Spielzeug. Es erreicht eine Flughöhe von bis zu 3000 Metern. Wobei ich finde, dass man sehr lebensmüde sein muss, um das auszuprobieren. 

Es gab nicht nur ganze Flugzeuge sondern auch einige Flugzeugwracks zu besichtigen. Mit kleinem Modell, wie das Flugzeug aufgefunden wurde. Dieses hier ist über einem Sumpf abgestürzt.

Ein Rätsel wurde im Museum aber leider nicht geklärt – vielleicht kennt sich ja jemand von euch genug mit Flugzeugen aus, um mir zu erklären, weshalb diese Maschine ein nach außen gewölbtes Seitenfenster hat. Die andere Seite der Maschine war normal, es betrifft nur dieses eine Fenster.

 Das dritte Fenster von links ist mir wirklich ein Rätsel.

Am Nachmittag hatte Tarja eine Lehrveranstaltung in der Universität, bei der sie anwesend sein musste. Da der Kurs an den Samstagsveranstaltungen Filme schaut und bei 100 Teilnehmern ein Mensch mehr oder weniger nicht auffällt, sind wir gemeinsam zu ihrer Veranstaltung gegangen. Auf dem Nachhauseweg haben wir noch einen Geocache eingesammelt und Zutaten für Pfefferkuchen und Joulutorttu, ein finnisches Weihnachtsgebäck, gekauft. Nachdem wir den fertigen Pfefferkuchenteig ausgerollt und Plätzchen ausgestochen hatten, beginnen die (zugegeben sehr einfachen) Vorbereitungen für die Joulutortut (kein Rechtschreibfehler sondern soweit ich verstanden habe die Mehrzahl des Wortes). Wir Schnitten den Blätterteig in Quadrate mit eingeschnittenen Ecken. Danach platzierten wir einen Klecks Pflaumenmus in der Mitte des Vierecks und klappten von jeder Ecke eine Hälfte nach innen. Der Teig wurde mit Ei bestrichen und nach 15 Minuten imBackofen waren die Joulutortut fertig. Für Jouni, der keine Marmelade mag, haben wir das Pflaumenmus mit Gehacktes und Käse ersetzt. Während die Sauna für den Abend aufgeheizt wurde, haben wir es uns mit einem frisch gebackenen Joulutorttu, Glögi und Pfefferkuchen auf dem Sofa gemütlich gemacht. 
 
 Die Joulutortut vor...

 ... und nach dem Backen.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Jyväskylä von oben, Museumsbesuche und Eishockey...

... waren eine gute Mischung an Unternehmungen für den Brücken(Frei)tag. Zum Start in den Tag haben wir uns die Stadt erst einmal von oben angesehen. Unser erstes Ziel war also der Aussichtsturm von Jyväskylä. Leider wollte es nicht aufhören zu schneien, so dass wir von dort oben nicht allzu weit blicken konnten. Aber ich mag Schnee, also beschwere ich mich lieber nicht :) Immerhin konnte man trotz Schneefalls noch sehen, dass Jyväskylä zwischen mehreren Seen liegt.
 
 Blick in Richtung Innenstadt...


... und zu der Region, in der Jouni und Tarja wohnen - da am See nahe der großen Insel.

Beim Verlassen des Aussichtsturms fiel uns ein kleines Naturkunde-Museum auf, das freitags keinen Eintritt verlangt. Das Angebot haben wir spontan angenommen - was hat man schon zu verlieren, wenn er Eintritt frei ist. Und wir wurden nicht enttäuscht, das Museum war zwar ziemlich klein, aber dafür mit viel Mühe eingerichtet. Von einer Eisdecke über dem Winter-See und dem fisch-fangenden Wiesel am Fluss bis hin zur Bierdose im Wald wurde an jedes Detail gedacht. Es gab sogar Hefter mit englischen, deutschen, französischen und russischen Beschreibungen der Ausstellung. Damit man nicht nur die finnischen Namen der einheimischen Tiere lernt.
Nach dem Abstecher ins Naturkunde-Museum fuhren wir zu zwei Fabrikverkäufen außerhalb der Stadt. Der erste Laden, am dem wir halt machten war der "Panda" Süßigkeiten-Fabrikverkauf, wo ich für unsere nächste Kaffeepause auf Arbeit ein bisschen Schokolade und Lakritze und Schokomantel für einen Freund gekauft habe. Ich frage mich zwar immer noch, wie man Lakritze in Schokolade mögen kann, aber wenn man mit solchen Kleinigkeiten andere Leute glücklich macht, dann erledige ich doch gerne solche Einkäufe. Der zweite Fabrikverkauf hatte Unmengen Kerzen und Weihnachtsdekoration im Sortiment. Genau das richtige, um nach einem Weihnachtsfeier-Wichtelgeschenk zu suchen. Dieses Jahr sollen wir auf der Weihnachtsfeier mit kleinen Geschenken bedacht werden. Jeder soll also eine Kleinigkeit für 2-4 Euro mitbringen und bekommt im Tausch ein Geschenk, das von einem Kollegen gekauft wurde. Es ist gar nicht so leicht, für den Preis etwas zu finden, über das sich der Professor genauso freut, wie die Masterstudentin... Leider war im Kerzen-Outlet nichts passendes dabei - dafür habe ich ein paar Geschenkideen für Freunde.

 Dieser niedliche Panda ist das Maskottchen des Süßigkeitenherstellers "Panda".

Die Shopping-Tour wurde noch erfolgreich mit dem Fund eines Geocaches abgeschlossen, der auf dem Weg lag. Nun war wieder Kultur angesagt, diesmal im Alvar Aalto-Museum. Alvar Aalto ist einer der bekanntesten finnischen Architekten und Designer. Seine Familie lebte mehrere Jahre in Jyväskylä, wo er nach dem Studium auch sein erstes Architekturbüro eröffnete. Heute gibt es in keiner Stadt so viele von Alvar Aalto designten und realisierten Bauwerke, wie in Jyväskylä. Grund genug also, sein Leben und seine Werke in einer Ausstellung genauer anzusehen. Das Alvar Aalto-Museum befindet sich natürlich selbst in einem von ihm designten Gebäude. 

 Alvar Aalto war für das Konzept des organischen Designs bekannt - sein Schwingstuhl wurde in mehreren Varianten realisiert und noch heute oft kopiert (ich sitze gerade in einer IKEA-Kopie davon und tippe diesen Blogeintrag ;-) ).

Falls sich jemand fragt, wie der gute Mann selbst eingerichtet war, hier ein Nachbau von Aaltos Arbeitszimmer.

Meine beiden Gastgeber versuchen, mir so viele Eindrücke wie möglich von Jyväskylä zu vermitteln. Eine gute Idee, die Jouni hatte, war der Besuch eines Eishockey-Spiels. Freitag Abend fand ein Heimspiel von Jyväskylä gegen Lappeenranta (einer kleinen Stadt im Südosten Finnands, nahe der Saimaa-Seenplatte) in der Synergia-Arena statt. Die Tickets für das Spiel waren schnell gebucht und ich kam in den Genuss, das erste Mal ein Eishockey-Spiel in einer Arena zu sehen. Das Spiel startete gut mit dem ersten Tor für Jyväskylä nach 5 Minuten. Leider passierte das restliche erste Drittel nicht mehr viel. Selbst als zwei Zeitstrafen zeitgleich gegen den Gegner verhängt waren und Lappeenranta mit nur 3 Spielern (+ Torwart) auf dem Feld waren, gelang es den 5 (+1) Spielern von Jyväskylä nicht, noch einen weiteren Punkt zu machen. Auch im zweiten Drittel war nicht viel zu sehen aber in der zweiten Hälfte des dritten Drittels begannen beide Teams dann, aufzudrehen. Am Ende des Abends gewann Jyväskylä mit 3:0 gegen Lappeenranta.

 Noch eine Sekunde zu spielen und Jyväskylä führt 3:0.

Selbst im 80.000 Einwohner-Städtchen Jyväskylä findet man noch Ayinger Bier. Sogar das Winter-Spezial mit original Gläsern.

Den restlichen Abend haben wir dann zu viert die Bar- und Kneipenlandschaft der Stadt unsicher gemacht, nachdem Ville, ein Freund von Jouni am Ende des Eishockeyspiels zu uns gestoßen ist. Auf halben Weg von der Eishockey-Arena in die Stadt hielten wir bei der ersten Bar, wo wir etwas getrunken und eine Runde Yatzy gespielt haben. Leider war das Würfelglück nicht ganz auf meiner Seite, un Jouni siegte mit einem Punkt Vorsprung. Anschließend ging es in die Cocktailbar Jyväskyläs, die wirklich nette Eigenkreationen anbot und auch toll eingerichtet war, aber unsere Unterhaltung mit viel zu lauter Musik für eine Weile auf Eis legte. Somit leerten wir recht schnell unsere Gläser und zogen weiter. In ein englisches Pub, für das Möbel, Baumaterial und sogar Bauarbeiter aus England importiert wurden. Das Bier kommt nun aber aus aller Welt, u.a. aus Aying. Den restlichen Abend blieben wir in dieser Bar, redeten über Reisen und Finnland und genossen den lustigen Abend bis wir irgendwann müde den Heimweg antraten.

Freitag, 7. Dezember 2012

Unabhängigkeit feiern auf finnische...

... Art war sehr interessant. Laut Tarja und Jouni, meinen Couchsurfer-Gastgebern gibt es keine großartigen Traditionen an diesem Tag. Dennoch gibt es ein paar Sachen, die nicht jeden Tag in Finnland passieren.
Als das typisch finnische Mittagessen - Makkaroni-Auflauf mit Hackfleisch - im Backofen garte, haben wir einen Spaziergang rund um die Wohnsiedlung gemacht. Jouni und Tarja wohnen am Stadtrand Jyväskyläs, zwei Minuten vom nächsten See entfernt. eine Downhill-Ski- und eine Skisprung-Anlage befindet sich in Sichtweite und die nächste öffentliche Sauna befindet sich auf einer Insel im See. 

 Die Skisprung- und Downhill-Skianlage in der direkten Nachbarschaft. Für größere Berge und höhere Sprungschanzen muss man eine halbe Stunde Fahrt auf sich nehmen, um ins nächstgelegene, größere Skigebiet zu kommen.

Nach dem Rundgang und dem Mittagessen haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht. Jouni hat Tarja und mich an der "Taulumäki"-Kirche abgesetzt und seiner Mutter einen kurzen Besuch abgestattet. Von der Kirche ging es über den Friedhof zur Fußgängerzone Jyväskyläs, die ziemlich klein ist aber überdurchschnittlich viele Bars aufweist - ein typisches Merkmal von Studentenstädten. Am Ende der Fußgängerzone angekommen liefen wir als nächstes zur Stadtkirche im Stadtpark. Von dort aus machten wir uns auf den Weg zum Freilicht-Museum mit alten Bauwerken aus der Umgebung, die für das Museum an einem neuen Standort zusammengetragen worden. Das Museum wurde erst diesen Sommer errichtet und bietet seit diesem Jahr auch Platz für einen Weihnachtsmarkt. Während ich mit Tarja das Einkaufsangebot in den Holzhütten des Weihnachtsmarktes anschaute, stieß Jouni wieder zu uns. Gemeinsam haben wir uns bei einem Glögi aufgewärmt und einem Schmied dabei zugesehen, wie er Garderobenharken aus einer Eisenstange formte. 

 Die "Taulumäki"-Kirche liegt nicht weit entfernt von...

 ... Jyväskyläs Fußgängerzone. Das Foto ist vom Anfangspunkt der Fußgängerzone aufgenommen. 

 Der Stadtpark mit der Stadtkirche.

 Klein aber fein ist er, der laut meinen Gastgebern erste Weihnachtsmarkt der Stadt.

Das nächste Ziel der Stadterkundungstour war die Universität von Jyväskylä - mit dem von Alvar Aalto designten Hauptgebäude. Am Rande des Campus bekam ich sogar die Gelegenheit, am ältesten Gebäude der Stadt meinen ersten Geocache in Jyväskylä zu finden - gar nicht so leicht in der Dunkelheit. Danach wollten die Beiden mich zu einem Aussichtspunkt bringen, von dem man über die gesamte Stadt sehen kann. Das Gebäude war allerdings heute am Feiertag nicht zugänglich. Somit musste ein Café in der Innenstadt zum Aufwärmen und Zeit vertreiben herhalten. Um 18 Uhr sollte ein Gedenkumzug von der Universität in Richtung Friedhof starten. Als eine große Gruppe Menschen mit Fackeln und Kerzen das Café passierten, haben wir uns für den Rest des Weges zum Friedhof der Menschenmenge angeschlossen. Am Friedhof fand eine Gedenkfeier zu Ehren der Opfer des zweiten Weltkrieges statt - diese Gedenkfeier wird jedes Jahr vom ersten Semester der Lehramts-Studenten organisiert. Auf allen Gräbern für die Gefallenen des Krieges wurden Kerzen aufgestellt. Vor dem Gefallenendenkmal war eine kleine Bühne aufgestellt, auf der ein Veteran und ein Student eine kurze Rede hielten. Ein Chor, der neben dem Denkmal positioniert war, sang die Nationalhymne Finnlands und mehrere Kirchenlieder. Den Inhalt der Reden habe ich leider nicht verstanden. Mir wurde auch nicht wirklich klar, weshalb man am Unabhängigkeitstag gerade den Gefallenen des zweiten Weltkriegs gedenkt, wenn Finnland doch während des ersten Weltkriegs seine Unabhängigkeit erklärt hat. Ein möglicher Grund laut meinen beiden Gastgebern ist, dass die Finnen während des zweiten Weltkrieges große Angst hatten, dass Finnland seine Unabhängigkeit erneut verlieren könnte im zweiten Weltkrieg.

 Das Hauptgebäude der Universität von Jyväskylä wurde genauso von Alvar Aalto designed...

 ... wie dieses Gebäude der Sportwissenschafts-Fakultät. 

Das älteste Gebäude der Stadt ist ein schöner Ort für einen Geocache :).

Die Gedenkfeier am Friedhof.

Wieder bei Tarja und Jouni zuhause haben wir den Fernsehr angeschalten und die Empfangsveranstaltung für den Unabhängigkeits-Ball beim Präsidenten verfolgt - zwei Stunden Händeschütteln und Small Talk. Die Veranstaltung ist sozusagen das "Who is Who" Finnlands. Der Präsident läd u.a. Sportler, Musiker, Professoren, Botschafter und die ehemaligen Präsidenten zum Tanzen ein und ganz Finnland verfolgt die Veranstaltung im TV und diskutiert die Kleiderwahl der Damen - passend zum Anlass des Balls beschränkt sich die Farbwahl v.a. auf blau, weiß und schwarz.

So also zelebriert Finnland seine Unabhängigkeit... zumindest in Jyväskylä.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Dieses Jahr feiere ich den Unabhängigkeitstag...

... Finnlands gebührend in Jyväskylä! Vor 95 Jahren, am 06.12.1917, erklärte sich Finnland unabhängig. Letztes Jahr habe ich den Feiertag auf Arbeit verbracht, doch dieses Jahr nutze ich die Gelegenheit für ein langes Wochenende. Damit ich die freien Tage auch nutze, habe ich recht spontan entschieden, innerhalb Finnlands zu verreisen. In beinahe eineinhalb Jahren habe ich es lediglich nach Helsinki, Tampere und Hyytiälä, den Konferenzort inmitten des Waldes, geschafft. In der gleichen Zeit war ich außerhalb Finnlands in sechs verschiedenen Ländern. Grund genug also, das Land in dem ich lebe endlich mehr zu bereisen. Ein nettes Paar bei dem ich übernachten darf war via Couchsurfing schnell gefunden. Die Beiden haben mich vom Bahnhof abgeholt und die Sauna bereits vorgewärmt. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass uns genug berichtenswerte Dinge in Jyväskylä einfallen, um euch teilhaben zu lassen...

Dienstag, 4. Dezember 2012

Eine Geburtstagsfeier am Sonntag...

war keine so kluge Idee von meinem italienischen Kollegen. Auch wenn die Feier sehr lustig war, die späte Heimkehr erleichtert den Start in die Woche nicht gerade. Wenigstens fiel meine Müdigkeit heute nicht so sehr auf, weil die meisten Doktoranden genauso lange gefeiert haben. 
Den Sonntagvormittag habe ich in weiser Voraussicht schon vorgeschlafen. Nach dem Frühstück/Mittagessen traf ich mich dann mit ein paar Kollegen in der Stadt, um ein Geschenk für das Geburtstagskind zu kaufen - uin Beziehungs-Survival-Kit mit unzerbrechlichen Papptellern, Ohropax, Duftkerzen und was sonst noch so praktisch sein könnte für ein Pärchen, das gerade zusammengezogen ist. Nach dem Geburtstagsständchen und dem lustigen Geschenke auspacken ging es ganz finnisch erst einmal in die Sauna. Nach 2 Stunden gemeinsamen Schwitzen haben wir die Feier in den Partykeller verlagert, wo indisches Curry und italienische Eiscreme zum Abendessen bereit standen. Die Freundin das Gastgebers hat während unseres Saunabesuchs für das leibliche Wohl gesorgt. Nach der Stärkung war die Tischtennisplatte im Partyraum auch schnell aufgestellt. Bis halb 5 haben wir dann zusammen gesessen, geredet, getrunken und ab und an ne Runde Tischtennis gespielt. Und auch wenn das aufstehen heute Morgen wirklich schwer fiel, möchte ich keine Minute des gestrigen Abends vermissen. 

Sonntag, 2. Dezember 2012

Einen ganzen Tag mit Brettspielen zu vertreiben,...

... war meine Art der Selbstbelohnung für viele lange Arbeitstage. Mein Student hat sein Projekt vorerst abgeschlossen - mal sehen, wie viele neue Ideen wir in Zukunft haben - und sein Poster ist seit gestern Nacht auch fertig. Grund genug also, mal wieder ein Wochenende komplett abzuschalten. Am heutigen Tag fand in der Bibliothek ein Spiele-Event statt, an dem nur Brettspiele mit der finnischen, englischen oder deutschen "Spiel des Jahres"-Auszeichnung gespielt wurden.  Am Abend traf sich der Großteil der Leute dann zur "kleinen Weihnacht" (pikkujuolut) Weihnachtsfeier des Brettspielclubs. Um die Zeit zwischen Schließung der Bibliothek und dem Beginn der Weihnachtsfeier zu überbrücken, hatte letzte Woche jemand einen Tisch im indischen Restaurant bestellt. Unser Weg zum Mittag- und Abendessen führte uns über den Weihnachtsmarkt, der nun zum ersten Adventswochenende aufgebaut ist. Der Markt findet auf dem kleinen, alten Marktplatz gegenüber der Kathedrale statt - vor dem Haus, aus dem am Weihnachten der Weihnachtsfrieden verkündet wird. Nach dem Besuch des Weihnachtsmarkts und der Stärkung im Restaurant ging das lustige Brettspiele spielen auf der Weihnachtsfeier weiter bis in die Nacht.

Der Weihnachtsmarkt - er kommt mir etwas kleiner vor als letztes Jahr, doch vielleicht ändert sich das noch während der Adventszeit.

Nach dem Besuch des Weihnachtsmarkts und der Stärkung im Restaurant ging das lustige Brettspiele spielen auf der Weihnachtsfeier weiter.