... liegt bereits hinter mir, und in den kommenden Wochen werden wohl noch einige Tage folgen. Denn meine Proben für die Elektronenmikroskopie sind nach langer Wartezeit endlich fertig. Nun will ich natürlich endlich meine Ergebnisse sehen und fotografieren - und da ein Elektronenmikroskop die Bilder nicht wie ein Lichtmikroskop mit Licht, sondern mit Elektronen erzeugt (die von Schwermetallen im Färbemittel abgelenkt werden), kann man das Ergebnis nicht sofort sehen. Statt dessen wird das Elektronensignal auf einem floureszierenden Bildschirm in sichtbares Licht umgewandelt. Um auf diesem Bildschirm jedoch irgend etwas zu erkennen, muss der Raum dunkel und die Augen an die Dunkelheit gewohnt sein. Das Elektronenmikroskop, das uns an der Universität zur Verfügung steht, ist schon recht alt. Es stammt aus den späten 60er Jahren und erinnert eher an das Cockpit eines Raumschiffes aus alten Science-Fiction-Filmen, als an ein wissenschaftliches Messgerät. Wenn man nun im Dunkeln auf den grün leuchtenden Bildschirm schaut und eine Zelle in enormen Vergrößerungen von 5000 bis 20.000 fach vor sich hat, fühlt es sich ein wenig so an, als würde man durch eine riesige Zelle reisen.
Vermutlich finden das die meisten Leute eher seltsam oder sogar etwas abschreckend, aber ich saß den gesamten Tag gespannt an diesem grünen Bildschirm und habe darüber gestaunt, wie genau man all diese Strukturen erkennt, die man sonst nur aus Büchern kennt, meistens gezeichnet und bunt koloriert. Natürlich findet man auch ab und an Elektronenmikroskop-Aufnahmen in Büchern und Fachzeitschriften, aber dass die eigenen Proben so aussehen können, daran denkt man beim durchblättern der Bücher dann doch nicht.
