Mittwoch, 30. Januar 2013

Vorzeitige Geburtagswünsche...

... bringen im deutschen Sprachraum ja bekanntlich Unglück. In Finnland scheint das ganz anders auszusehen. Hier ist es vollkommen normal, die Geburtstagsfeier auch auf das Wochenende vor dem Geburtstag zu legen, Geschenke auszupacken oder vorab zu gratulieren. Darüber hatte ich mich Anfang des Monats schon einmal mit Fabiana unterhalten, als ihre Tochter Lou ihre Geburtstagsparty bei ihrem Vater vorab gefeiert hat - und scheinbar bringt es in Brasilien kein Unglück, vorher zu gratulieren, es ist nur nicht üblich. 
Heute wurde ich dann wieder daran erinnert, nachdem ich mit Matti Squash spielen war. Denn bei der Verabschiedung wünschte er mir alles Gute für meinen morgigen Geburtstag. Ich hoffe mal, dass es hier, wo es üblich ist, vorzeitig zu gratulieren, kein Unglück bringt. Also habe ich mich einfach nur brav bedankt. Seltsam finde ich es trotzdem, auch wenn es kein Unglück bringt. Wieso feiert man etwas, das noch nicht passiert ist? Oder gratuliert für etwas, was erst noch passieren wird?! 
Wie ihr seht, auch nach eineinhalb Jahren im kalten Norden gibt es noch Sachen, die mir Rätsel aufgeben. 

Ganz langweilig habe ich meine Geburtstagsfeier zum Teil auf meinen Geburtstag gelegt - ich werde morgen mit ein paar Freunden essen gehen - und zum Teil auf das Wochenende nach dem großen Tag verschoben. Dann gibt es eine Party bei mir zuhause :-). Immerhin ist es mein zweiter Geburtstag in der Ferne, da dürfen es auch 2 Feiern sein.

Montag, 28. Januar 2013

Brennende Handtücher und Luftballons in Kartons...


... sieht man sicherlich nicht alle Tage. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass Linnea und Mikael nicht jede Woche umziehen. Aber ihre Auszugsfeier und der letzte Sauna-Abend in ihrer Wohnung hielten doch einige unvergessliche Momente bereit. 
Freitag Abend hatten Linnea und Mikael ein paar Freunde eingeladen zum Käsefondue essen und um die Sauna ein letztes Mal zu nutzen. Der Abend fing ganz normal an, ein paar Leute haben sich darum gekümmert, das Brot in Stücke zu schneiden und den Käse zu erwärmen und der Rest hat den Tisch gedeckt und genug Sitzmöglichkeiten aufgetrieben. Um das Fondue warm zu halten, hatten wir ganz professionell Brennpaste in den Warmhalte-Mechanismus des Fondue-Sets gefüllt. Vermutlich war es keine so gute Idee, als Strafe für das Verlieren von Brotstücken im Käsefondue einen Witz erzählen zu müssen. Denn während Mikael gerade seinen Strafwitz erzählte, kam irgendwer an die Heizvorrichtung und die Brennflüssigkeit schwappte über auf den Metalluntersetzer. Alle Versuche, das Feuer wieder in den Griff zu bekommen, machte die Situation nur schlimmer. Als Linnea die Flammen mit einem Handtuch ersticken wollte, sah es im ersten Moment erfolgreich aus, doch von irgend einer Ecke kam immer noch Sauerstoff zum Feuer, so dass das Handtuch selbst beinahe verbrannt wäre. Der letzte Ausweg war, die gante Vorrichtung mit der Brennpaste auf den Balkon zu bringen und dort ausbrennen zu lassen. Für den restlichen Abend mussten Teelichter zum warm halten des Käses herhalten. Nach dem Essen haben wir alle zusammen den Tisch abgebaut und in Verpackungsmaterial eingewickelt, während die Sauna langsam aufgeheizt wurde.


Selbst mit Papp-Tellern und Plastik-Geschirr kann man den Tisch noch schön herrichten.

Das Tischfeuer, kurz bevor es das Handtuch angezündelt hat und auf den Balkon verbannt wurde.

Samstag morgen habe ich mich dann mit Linnea bei unserem Mobilfunk-Anbieter getroffen. Sie musste noch ein paar Dinge für die Ummeldung der Verträge klären und gemeinsam wollten wir versuchen, sie aus meinem Handyvertrag zu löschen. Als ich vor ca. einem Jahr den Vertrag abgeschlossen habe, wollten wir Linnea als Vertragsnehmer eintragen lassen, um die 300 Euro Sicherheitsgebühr zu umgehen, die ich als Ausländer hinterlegen müsste. Bei der Eintragung ging allerdings etwas schief, so dass ich dennoch die Kaution zahlen musste - aber Linneas Name stand dennoch mit in meinem Vertrag. Nach einigem hin und her haben wir es geschafft, mich nun als alleinigen Vertragsnehmer in meinem Handyvertrag stehen zu haben und sogar die Rückzahlung meiner 300 Euro wurden in Auftrag gegeben. Also ein Erfolg auf ganzer Linie. Mittags habe ich mich dann mit Karin, der Masterstudentin aus Estland, zum Squash spielen getroffen. Am Nachmittag wollte ich Linnea und Mikael dann bei den Auszugsparty-Vorbereitungen helfen und habe mich somit kurz nach dem Sport schon wieder auf den Weg gemacht. 

Die Party war riesig für das doch recht kleine Wohnzimmer der Beiden. Zum Glück hatten wir den Tisch bereits abgebaut, anders wäre es wohl kaum möglich gewesen, um die 30 Gäste unterzubringen. Eine Freundin von Linnea hatte sogar das "Catering" übernommen und sich um das leibliche Wohl aller Gäste gekümmert. Und es gab Luftballons, Tanzspiele und eine lustige Fragerunde zum besseren Kennenlernen untereinander. Zu späterer Stunde wurden alle Luftballons in einen Umzugskarton gepackt, damit Linnea und Mikael beim Kisten schleppen wenigstens eine leichte Box vorfinden. Allerdings war die Ausführung dieser recht netten Idee doch nicht so gelungen, da der Karton so vollgestopft wurde, dass man ihn nicht mehr schließen konnte. Wir mussten also damit rechnen, dass die Zwei die Box noch vor dem Umzug entdecken. 

 Sooooo viele Luftballons...

... und jeder davon war individuell bemalt :-).

Mittwoch, 23. Januar 2013

Mehr Arbeitsgruppenmitglieder...

... sollte ja eigentlich weniger Arbeit pro Nase bedeuten. Aber irgendwie habe ich mich da getäuscht. Zumindest scheint es im Moment so, dass mehr Leute mehr Arbeit bedeuten - vielleicht ändert sich das ja noch, wenn die Einarbeitungsphase vorbei ist. Bis dahin sollte es draußen auch wieder etwas wärmer und die Tage länger sein. Dann lohnt es sich auch wieder, früher nach Hause zu gehen :-). Und natürlich haben neue Gruppenmitglieder auch einige Vorteile. Christoffer, unser Post-Doc (also ein Jung-Wissenschaftler der gerade seine Doktorarbeit hinter sich gebracht hat) bringt einige neue Ideen auf und unser Techniker nimmt uns viele zeitraubende Routine-Arbeiten ab. Außerdem gibt es nun einen guten Grund für regelmäßige Gruppenbesprechungen, damit man auch weiß, womit sich die anderen Kollegen so beschäftigen. Bisher konnten wir uns einfach per eMail auf dem laufenden halten...

Aber genug von Arbeit, noch eine kurze Zusammenfassung der Wochenhöhepunkte:
Oliver, Karin, Milena und ich wurden ausgewählt, um den nächsten "Erholungstag" zu planen. Nach einigen Tagen wilden überlegens, mit was für coolen Aktivitäten man zwei Stunden des Arbeitstages füllen könnte, haben wir uns am Montag Abend bei Milena getroffen um die Planungen voran zu treiben. Am Ende des Abends haben wir uns für eine Schnitzeljagd entschieden. Wir senden unsere Kollegen quer durch die Stadt von unserer Arbeit über das Observatorium, das Kunstmuseum, und die Michaelskirche zu einem Restaurant am Fluss, in dem dann das Mittagessen serviert wird. Je nach dem, wie viel Bewegung dann gewünscht ist und wieviel Zeit jeder entbehren kann, geht es nach dem Essen auf direkterem Weg zu Fuß oder mit dem Bus zurück zur Arbeit. Nun müssen wir uns nur noch geeignete Verstecke und Rätsel für die einzelnen Stationen ausdenken.
 

Freitag, 18. Januar 2013

Kaum einen Abend zuhause

zu verbringen, war eigentlich nicht mein Plan für die vergangenen zwei Wochen. Aber irgendwie ergab sich dann doch spontan immer wieder ein Grund, nach der Arbeit nicht nach Hause zu gehen. Die Dienstag Abende sind wie bisher für den Brettspiel-Club reserviert. Vergangene Woche gab es eine spontane Einladung zum Pizza backen bei Lowa, einer Couchsurferin aus Frankreich und ein Abend in einer Bar mit anderen Nutzern von Couchsurfing. 

Am Samstag habe ich dann Linnea und Mikael bei ihren ersten Umzugsvorbereitungen geholfen. Mikael wird im Februar einen neuen Job in Vaasa, ca. 400 km nördlich, anfangen. Das heißt leider, dass die beiden ende Januar umziehen werden und Linnea wollte schon einmal mit dem Packen anfangen. Also haben wir uns in der Stadt am Baumarkt getroffen, Umzugskartons geholt und die Bücherregale in ihrer Wohnung leer geräumt. Selbst die Ikea-Kataloge von 2007 bis heute müssen mit umziehen. Nach getaner Arbeit wollten wir am Abend ein neues Restaurant austesten. Allerdings scheint es Samstag Abend fast unmöglich zu sein, irgendwo in Turku essen zu geben. Dafür gab es dann nach dem Essen genug Plätze in Koulu, der Bar in der alten Schule. Und ein lustiges Gesellschaftsspiel zum Zeitvertreib war auch schnell gefunden.

Linnea ist schon ein wenig verzweifelt, dass es in Vaasa keinen Ikea gibt. Da bleiben ihr dann nur noch ihre Kataloge oder ein Einkaufsausflug nach Tampere.



Für Sonntag hatten Milena und ich uns ein Squash-Feld reserviert. Zum ersten mal seit meinem Umzug nach Finnland habe ich es geschafft, wieder einen Mitspieler fürs Squash spielen zu finden. Die Auswahl der Halle fiel dann nicht sonderlich schwer, Turku verfügt nur über ein Sportzentrum mit Squash-Feldern. Dummer Weise haben wir es in unserer Vorfreude ein wenig übertrieben und das Feld gleich für zwei Stunden gebucht. Dementsprechend schmerzhaft war das Arbeiten am Montag, jede Bewegung des Schlag-Arms hat uns daran erinnert, dass wir es doch etwas langsamer hätten angehen sollen. Aber wir hatten viel Spaß und darauf kommt es doch schließlich an. Dann ist auch der Muskelkater nur halb so schlimm.

Diese Woche gab es gleich die nächste Gelegenheit zum Squash spielen. Ein Bekannter von Milena wollte gerne lernen, wie man Squash spielt und dachte, ich könnte ihm da weiterhelfen. Ich bin zwar nicht sicher, wie viel ich ihm erklären oder zeigen konnte, aber wir hatten einen lustigen Donnerstag Abend auf dem Squash-Feld. Mittwoch hat unser gesamtes Büro lange gearbeitet und den Abend dann noch in einer Bar bei einem Bier ausklingen lassen. Den letzten Abend der Woche habe ich mit Oliver beim Einkaufen verbracht. Alles keine großartigen Unternehmungen - naja, mal abgesehen von dem Bücher-Einpack-Wahnsinn bei Linnea - aber es reicht, um keine Langeweile aufkommen zu lassen :-). 

Montag, 14. Januar 2013

Der Silvesterurlaub in Stockholm...

... begann mit einer langen Zugfahrt. 21 Stunden im ICE von Jena nach Berlin, dem Nachtzug von Berlin nach Kopenhagen und einem Schnellzug von Kopenhagen ans Ziel, Stockholm, gehen. Natürlich sollte das bei mir mit der Deutschen Bahn nicht ohne Probleme ablaufen. Die Sitzplatzreservierung für meinen ersten Zug war gleich hinfällig, als ein Ersatzzug statt des eigentlilchen ICEs ankam. Wenigstens erreichten wir Berlin ohne merkliche Verspätung, so dass das Erreichen des Anschlusszuges kein Problem war. Aber mit dem Zug reisen so ganz ohne Verspätungen, das geht natürlich nicht - zumindest nicht, wenn ich unterwegs bin. Ich ziehe das scheinbar magisch an ;-). Denn mein Nachtzug nach Kopenhagen brauchte dann dank eines 3-stündigen Zwischenstops ganze 6 Stunden für den Weg von Berlin nach Hamburg. Nach dem Aufwachen eine halbe Stunde vor der geplanten Ankunft war dann Bangen und Hoffen angesagt, mit 3 Stunden Verspätung hätte ich den Anschlusszug in Kopenhagen nicht mehr erwischt. Glücklicher Weise konnte der Zug aber noch eine dreiviertel Stunde Verspätung wieder gut machen, so dass ich meinen Zug nach Stockholm gerade noch bekommen habe. 
Dort angekommen wurde ich am S-Bahnhof von dem Couchsurfer abgeholt, bei dem ich die kommenden Tage schlafen sollte. Es war gerade noch genug Zeit zum Duschen und dann ging es weiter auf eine Silvesterparty im Fußballverein des Couchsurfers. Bei dem Vereinshaus, in dem die Feier stattfand, handelte es sich um einen alten Bauernhof, der umgebaut wurde. Ein Teil der alten Landwirtschaftsgeräte waren noch in einer kleinen Ausstellung zu sehen. Und da das Gebäude auf einem Hügel steht, konnten wir um Mitternacht einen netten Blick über die Stadt genießen und das Feuerwerk betrachten.
Nach der Silvesterparty haben wir Neujahr eher ruhig begonnen, haben lange geschlafen und am Nachmittag einen Spaziergang um einen See in der Nachbarschaft gemacht. Am Abend ging es dann doch noch einmal gemeinsam in die Stadt um einen ersten Überblick über die Innenstadt zu bekommen. 

 Ausblick auf die Stadt von der Museumsinsel Skeppholmen.

 Die Wachablösung am Palast konnte man mehrfach am Tag verfolgen.

 Stockholm ist umringt von Wasser...

... und voller schöner, alter Bauwerke. 

Die kommenden drei Tage in Stockholm habe ich mich allein durch die Museenwelt Stockholms geschlagen. Das Museum für moderne Kunst und das Architektur-Museum füllten meinen ersten Tag gut aus. Zum Abschluss habe ich mir noch die St. Nikolai-Kirche angeschaut, bevor ich mich am Abend mit ein paar Couchsurfern aus Stockholm getroffen habe. Am zweiten Tag habe ich mir die Stadt noch einmal genauer angesehen und das gute Wetter genossen - es war zwar zu kalt, um viel draußen zu unternehmen. Aber für einen Stadtbummel reichte es dann doch. Den Nachmittag habe ich im Nobel-Museum verbracht. Das Museum ist wirklich schön aufgebaut und bietet eine Menge an Informationen. Es war also ein Leichtes, sich dort einen ganzen Nachmittag aufzuhalten. Für meinen letzten Tag in Stockholm hatte ich eigentlich den Besuch eines Bootsmuseums geplant, von dem mir mehrfach erzählt wurde. Allerdings wollte ich am Morgen erst einmal den Weg zum Fährterminal ablaufen, um am kommenden Morgen mein Boot zurück nach Turku auch sicher zu erwischen. Der Weg von der Fähre zurück in die Stadt führte mich vorbei am Fotografie-Museum. Und da ich schon einmal dort war, habe ich mir auch die Ausstellung von David LaChapelle angesehen. Glücklicher Weise habe ich mir vorab keine Kritiken durchgelesen, vermutlich hätte ich mir die Aussellung ansonsten nicht angesehen. LaChapelles Fotografien sind doch etwas speziell (falls ihr mehr wissen wollt, hilft google sicherlich weiter). Aber interessant war der Besuch des Museums allemal. Den restlichen Tag habe ich wieder in der Fußgängerzone verbracht. Am Abend war dann Sachen packen angesagt, da meine Nacht schon halb 5 beendet war, um pünktlich an der Fähre zu sein. 

 Um das Nobel-Museum herum befinden sich viele schöne Häuser.

Alfred Nobels Totenmaske und sein Testament... Das Testament, das den von Wissenschaftlern so begehrten Preis ins Leben gerufen hat. Hach ja, man wird ja noch träumen dürfen... :)

 St. Georg kämpft mit dem Drachen in der St. Nikolai-Kirche.

Moderne Kunst eben.

Angekommen in Turku habe ich am Abend nur kurz meine Sachen in der Wohnung verstaut und mich dann erst einmal auf den Weg zu Linnea gemacht, um nach der langen Fahrt auf der Fähre ein wenig soziale Kontakte zu pflegen, einen Film zu schauen und zu reden :).

Mittwoch, 9. Januar 2013

Eineinhalb Wochen in Deutschland...


... sollten dieses Jahr als Weihnachtsurlaub reichen. Schließlich wollte ich ja noch nach Stockholm fahren, und man kann ja schlecht jedes Jahr über die Feiertage einen ganzen Monat frei nehmen. 5 Tage vor Weihnachten ging es also auf dem verschneiten Finnland ins viel zu warme, schneefreie München. Statt weißer Weihnacht war diesen Winter eher Weihnachtsmarkt im Biergarten-Stil angesagt. Aber man kann ja nicht alles haben. Somit gab es keine weiße Weihnachten, dafür aber einige Geocaches - die lassen sich ohne Schnee nämlich deutlich leichter finden. Und ein Wiedersehen mit Familie und Freunden ist auch bei jedem Wetter schön - also jammere ich mal lieber nicht weiter über den warmen Winter. 
Eigentlich gibt es über die Tage in Deutschland nicht sonderlich interessantes zu berichten. Ich habe einige Schulfreunde wieder getroffen, hab mich in den Einkaufszentren Münchens ins vorweihnachtliche Getümmel gestürzt und Weihnachten mit meiner Familie gefeiert. Nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag fuhr ich dann  für einige Tage nach Jena, um meinen Opa und ein paar Freunde zu besuchen. Wir haben die Zeit genutzt um einfach mal wieder zu reden, ins Kino zu gehen und ein paar Geocaches einzusammeln. Ein paar Dosen haben uns in nette Ecken im Jena herum geführt:

Blick auf Jena.

Ich weiß, ich wollte nicht mehr meckern. Aber irgendwie fehlt hier doch ein wenig Schnee ;)

Sonntag, 6. Januar 2013

Ja, es gibt mich noch...

... und ich bin zurück in Turku. Diesmal erfolgte die Anreise allerdings nicht per Flugzeug, sondern mittels Zug und Fähre, mit einem längerer Zwischenstopp in Stockholm. Aber bevor ich von der Rückfahrt erzähle, kommt erst einmal eine nette Geschichte über das finnische Ärztesystem und mein Abreise-Stress.
Der letzte Tag vor meinem Abflug Richtung Deutschland sollte eigentlich vorweihnachtlich ruhig enden. Zusammen mit Milena, Karin und Oliver wollte ich mich am Abend noch einmal auf eine kleine Weihnachtsfeier im Labor treffen. Um meine Reisetasche zu packen, fuhr ich aber erst einmal nach getaner Arbeit nach Hause. Allerdings kam ich dort nicht zum Sachen packen. Stattdessen fielen mir im Hausflur bunte Blitze in meinem linken Auge auf. Also habe ich mich für ein paar Minuten zuhause hingelegt. Leider ging das Geflimmere im Auge davon nicht weg und auf Anraten meines Augenarztes in Deutschland wollte ich dann doch mal einen Arzt aufsuchen. Während ich mit Linnea telefonierte, in der Hoffnung, sie könnte im Internet herausfinden, wo ich gegen 18 Uhr noch einen Augenarzt finde, machte ich mich auf den Weg zum Optiker. Der versuchte, noch einen Augenarzt im privaten Ärztehaus nebenan zu finden und schickte mich schließlich in die Notaufnahme der Uniklinik. Dort saß ich dann für gute zwei Stunden - die Blitze hatten sich zwar nach etwa einer Stunde erledigt, aber so ganz geheuer war mir die Sache dennoch nicht. Als ich die Sprechstundenhilfe das nächste Mal traf, habe ich mit ihr vereinbart, dass ich im Nebengebäude warte und sie mich anrufen soll, wenn der Arzt Zeit für mich hätte. Kurz darauf kam auch gleich der erste Anruf - ich war gerade erst im Labor angekommen - allerdings wollte die Krankenschwester mir nur berichten, dass der Arzt keine Notwendigkeit sieht, mich zu untersuchen, ich aber gerne noch einmal mit ihm persönlich reden kann. Also wartete ich auf den nächsten Anruf... und feierte noch eine kleine Weihnachtsfeier mit meinen Kollegen. Als nach beinahe 2 Stunden immer noch kein Rückruf erfolgt war, habe ich die Krankenschwester noch einmal angerufen, die mich sofort mit dem Arzt verbunden hat. Der erklärte mir dann 10 Minuten lang, dass ich mehr Symptome haben müsste, um von ihm in dieser Nacht untersucht zu werden - mittlerweile war es ja Nacht. Ich solle jedoch am nächsten Tag sobald ich in Deutschland bin einen Augenarzt aufsuchen und Ruhe bewahren, falls während des Fliegens mehr Symptome auftreten. Am Ende erklärte er mir noch freundlich, dass die Situation auch nicht anders wäre, wenn ich finnischer Staatsbürger wäre. Ich weiß bis jetzt nicht, wann und weshalb meine Nationalität auf einmal Thema der Unterhaltung wurde - aber ich weiß, dass der Arzt die 10 Minuten dieser Unterhaltung auch in eine Untersuchung hätte investieren können... Die wurde dann am nächsten Tag in Deutschland durchgeführt und glücklicher Weise schienen die Blitze lediglich von einer Augenmigräne herzurühren.
Gegen Mitternacht war ich dann schließlich wieder zuhause und mir blieben noch vier Stunden zum Sachen packen und schlafen. Aber wenigstens hatte ich die meiste Wartezeit nette Kollegen um mich herum, die mich abgelenkt haben und den Abend trotz Notaufnahme-Chaos und Blitzen im Auge irgendwie gerettet haben. Am 19.12. früh morgens ging es dann reichlich müde mit der ersten Maschine über Kopenhagen nach München, um mit meiner Familie Weihnachten zu feiern.