Mittwoch, 10. Oktober 2012

Meine Reisepläne sind gerettet...

... denn gerade noch rechtzeitig wurde mein Visum ausgestellt und ich konnte meinen Reisepass heute wieder aus Helsinki abholen. Ich hatte ehrlich gesagt schon nicht mehr damit gerechnet, dass der Reisepass noch rechtzeitig fertig wird. Das Bangen hat mir in den letzten Nächten bereits das Einschlafen zur Qual gemacht, aber nun ging ja doch noch alles gut :-). Mein Koffer ist auch schon fertig gepackt und nach diesem Eintrag werde ich mich gleich ins Bett legen - denn gegen 5 Uhr kommen Janne und Matias mit dem Taxi am Stadtzentrum an und wir fahren gemeinsam weiter zum Flughafen.
Den morgigen Tag werden wir uns dann in Berlin vertreiben und bei einer Studienfreundin von mir Übernachten, bevor es Freitag vormittag weiter nach Dresden geht. Matias, Janne und ich werden dann in Dresden an einer Konferenz teilnehmen, unsere Arbeiten dort vor anderen jungen Wissenschaftlern vorstellen und hoffentlich ein paar interessante Anregungen bekommen und neue Leute kennenlernen. Nach der Konferenz fahren Janne und Matias wieder zurück nach Berlin, verbringen dort noch einen weiteren Tag mit Sightseeing und fliegen Dienstag Abend zurück nach Turku. Ich werde von Dresden nach Jena weiterreisen und von dort aus meine ersten Versuche für eine Veröffentlichung schreiben. Das Wochenende nach der Konferenz in Dresden steht dann das Alumni-Treffen meiner früheren Hochschule an, auf dem ich einen weiteren Vortrag halten werde.
Und dann kommt der Teil der Reise, um den ich die letzten Tage so gebangt habe - im Anschluss an das Alumni-Treffen fliege ich nach Indien, um an Sathyas Hochzeit teilzunehmen und mir einen Teil Indiens anzusehen. Das ganze Land ist leider viiiiiel zu groß, um es in einer Woche zu sehen. Aber wer weiß, wenn mir die Eindrücke gefallen, gibt es sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal die Möglichkeit, einen längeren Urlaub in Indien zu verbringen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf diesen Urlaub :).

Ich werde versuchen, euch hier zwischendurch auf dem Laufenden zu halten, es kann aber auch mal mehrere Tage dauern, bis ich Zeit zum Schreiben finde und einen Internetanschluss habe.

Ein finnisches Abschiedsessen und Brettspiele...

... haben mich vom Koffer packen abgelenkt. Sehr früh am Mittwoch morgen geht meine nächste Reise los und mein Koffer liegt noch ungepackt auf meinem Schrank. Aber den heutigen Abend wollte ich noch einmal mit Bekannten in Finnland verbringen, Sachen packen kann ich morgen immer noch. 
Nach dem Feierabend habe ich mich mit Marion und unserem deutschen Laborbesuch, Andreas sowie seiner Freundin und zwei weiteren Bekannten im Wikinger-Restaurant "Harald" zu einem letzten gemeinsamen Abendessen getroffen. Andreas hat seine Versuche bei uns im Labor abgeschlossen,  anschließend Stockholm, Tampere und Umgebung besucht und reist Ende dieser Woche wieder ab - Grund genug, sich noch ein letztes mal in Turku zu treffen. Nach dem Abschiedsessen habe ich noch kurz beim Treffen des Brettspielclubs in der alten Bank vorbei gesehen. Eigentlich wollte ich nur kurz Hallo sagen, doch dann sollte ich spontan für Jemanden einspringen und noch ein Spiel zu Ende spielen. Bis mir die Regeln erklärt wurden und wir das Spiel beenden konnten, war es dann auch schon nach Mitternacht. Nun heißt es also, schnell schlafen gehen und morgen dann alles für den Abflug am Mittwoch morgen vorbereiten.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Einmal quer über die Ostsee...

... wurde heute der Nobelpreis für Physiologie und Medizin vergeben. Bisher habe ich noch keine nobelpreis-verdächtigen Ergebnisse - doch man soll ja nie aufhören zu träumen - aber welche Arbeiten in Schweden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden, verfolgt man als kleiner Nachwuchswissenschaftler ja trotzdem. Dieses Jahr gab es mal wieder einen recht früh vergebenen Nobelpreis. Die ursprüngliche Idee war ja mal, die bedeutendste Entdeckung des Jahres auszuzeichnen, aber mittlerweile ist eine "Wartezeit" von über 10 Jahren recht normal und es werden eher Lebenswerke ausgezeichnet. Die Veröffentlichungen für den heute bekannt gegebenen Nobelpreis liegen erst 6 Jahre zurück. Im großen und ganzen ging es darum, dass man normale, spezialisierte Zellen wieder zu unspezialisierten Zellen zurückwandeln kann, die man dann umprogrammieren könnte. Grob gesagt kann man also aus Hautzellen eine neue Herzklappe basteln. bisher aber eher theoretisch als praktisch.

Auf der anderen Seite der Ostsee bin ich noch weit entfernt von einem Nobelpreis (oder anderen großen Auszeichnungen) und habe den heutigen Tag dazu genutzt, meinen ersten Vortrag für eine Konferenz zu erstellen. Nun muss ich noch die Kommentare meines Betreuers abwarten und brav den Vortrag üben, damit ich am kommenden Wochenende auch die vorgegebene Zeit einhalte und alles wichtige sage, was ich erwähnen möchte. 

Montag, 8. Oktober 2012

Freunde treffen und arbeiten...

... war alles, was ich das vergangene Wochenende gemacht habe. So langsam habe ich mich wohl komplett in Finnland eingelebt. Die KELA macht zur Zeit keinen Stress - mal sehen, wie es Ende des Jahres ist, wenn sie meine Krankenversicherung verlängern soll - die Wohnung ist so gut wie fertig eingerichtet (ich sollte bloß irgendwann doch noch die Regale aufhängen, die schon eine ganze Zeit in der Ecke stehen) und ich bin nicht mehr bei jedem Brief verwirrt, der sich in meinen Briefkasten verirrt. Auch beim Einkaufen finde ich mittlerweile vieles normal, worüber ich mich in der Anfangszeit so sehr gewundert habe. Die Spielautomaten hinter den Kassenbereichen zum Beispiel. Ich nehmen die Automaten kaum noch wahr und wundere mich nicht mehr über betagte Damen und Männer in Anzügen, die daran scheinbar ihr Wechselgeld verspielen. Die meisten Produkte bringen mich auch nicht mehr zum staunen - Joghurt in Tetra-Paks haben mittlerweile einen festen Platz in meinem Kühlschrank und selbst Viili, dieser fädenziehende, joghurtähnliche "Schleim" landet gelegentlich in meinem Einkaufswagen. 
Ich befürchte fast, mein Online-Tagebuch wird somit immer langweiliger für euch :-/. Wenn ihr also Vorschläge habt, worüber ich euch so berichten soll bzw. was ihr gerne lesen würdet, lasst es mich wissen!


Freitag Abend fand die Abschiedsfeier für Maria statt, die spanische Austauschstudentin. Zusammen mit einigen Doktoranden aus unserem Labor haben wir im Studentenwohnheim zu Abend gegessen, bevor wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht haben. Als wir eine Bar gefunden hatten, in der es genug Plätze für uns alle gab, haben wir dort ein wenig gesessen, getrunken und geredet, bevor einige von uns noch in eine Discothek wollten. Da ich am Samstag arbeiten wollte, habe ich mich an diesem Punkt verabschiedet und meine Kollegen allein zur Disco gehen lassen. 
Am Samstag habe ich dann meinen Versuch von Freitag beendet - allerdings war das Ergebnis nicht sonderlich gut. Somit habe ich für die kommenden Vorträge wohl keine bahnbrechenden Ergebnisse vorzuweisen, wirklich schade... Samstag Abend wollte ich dann eigentlich ein paar Fotos von Turku im Herbst aufnehmen oder Nacht-Geocaching machen, um mich abzulenken. Doch dann bekam ich eine SMS von der französischen Couchsurferin, dass sie mit einer Freundin in dem Park am Kunstmuseum sei und ich sie gern dort treffen könne. Somit habe ich den sonnigen aber schon recht kalten Samstag Nachmittag im Park verbracht und mit einer Französin, einer Portugiesin und einer Finnin über Gott und die Welt diskutiert. Als es uns zu kalt wurde, siedelten wir spontan in die WG der Portugiesin über, haben gemeinsam Abendbrot gekocht und uns den restlichen Abend noch nett unterhalten. 

Sonntag war dann ein arbeitsfreier Tag - nach der Niederlage am Samstag dürfen nun alle Versuche so lange warten, bis ich von meiner Geschäfts- und Urlaubsreise zurück komme. Somit konnte ich lange ausschlafen und hatte ein wenig Zeit, meine Wohnung wieder in Ordnung zu bringen und Wäsche zu waschen. Am Abend kamen Linnea und Mikael für ein echt bayrisches Abendessen zu Besuch. Es gab Brezeln, Weißwürste und (süßen) Senf. Nachdem die meisten Ausländer, denen ich Weißwürste näher bringen wollten, dieses Essen nie mochten, rechnete ich auch heute nicht mit Begeisterungsstürmen. Aber den Beiden hat es scheinbar geschmeckt, zumindest haben sie ungeduldig auf eine zweite Ladung Weißwürste gewartet :-). 
Alles in allem hatte ich also trotz Laborstress ein nettes Wochenende mit vielen Freunden und Bekannten um mich herum. 

Freitag, 5. Oktober 2012

Da ist er wieder...

... der Vorkonferenz-Stress. Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass die meisten Ergebnisse in der Wissenschaft vor Konferenzen und anderen wichtigen Meetings erzeugt werden, an denen man die Ergebnisse der Welt präsentieren kann / darf / soll / muss. Schließlich will man möglichst viele neue Daten zeigen - und mir geht es im Moment nicht anders. In eineinhalb Wochen werde ich in Dresden meine erste Präsentation auf einer Konferenz geben, und dafür hätte ich gern noch ein paar überzeugende Daten. Für diese hoffentlich schönen Daten habe ich heute bis in die Nacht gearbeitet und mich danach noch für eine Stunde mit ein paar Couchsurfern in einer Bar getroffen. Zwei der Couchsurfer arbeiten für einen Bauträger in Turku und haben an mehreren großen Gebäuden in der Stadt mitgebaut und konnten dementsprechend auch einige interessante Geschichten erzählen. Eine der Geschichten werde ich euch in den kommenden Tagen noch verraten, aber das ganze lässt sich ausgeschlafen und anhand eines Fotos viel besser erklären. Denn auch wenn es schön war, den Abend mit ein paar nicht-arbeitsbezogenen Gesprächen ausklingen zu lassen, will ich jetzt nur noch den Ruf meines Bettes folgen und endlich schlafen :).

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Eine Kaffeepause mit Linnea...

... hat den heutigen Arbeitsalltag aufgehellt :-). Während ich im Labor rumhantiert habe, hat Linnea in der Mediziner-Bibliothek drei Etagen weiter unten an ihrer Abschlussarbeit geschrieben. Ihr Vorschlag, eine Pause einzulegen und uns in der Cafeteria zu treffen, kam mir sehr gelegen - genauso wie ihr wohl auch. Irgendwann braucht der Kopf doch einfach mal eine Pause. Nach dem Kaffee, bei dem mich Linnea zum Abendessen mit ihr und Mikael eingeladen hatte, haben wir uns beide wieder an die Arbeit gemacht und die Zeit bis zur Schließung der Bibliothek sinnvoll genutzt. Nach getaner Arbeit waren wir noch schnell einkaufen, haben dann gemeinsam gekocht - Paprika-Curry-haltiges indisches Essen für Mikael und mich und Paprika-freies, Allergiker-taugliches, indisches Essen für Linnea. Nach dem Abendbrot haben wir uns noch ein wenig unterhalten und schon war der Tag auch wieder vorbei. 
Durch meine Besucher kamen mir die letzten Wochen enorm kurz vor und jetzt bin ich ein wenig erstaunt, wie wenig Zeit noch bleibt bis zu meiner Abreise nach Deutschland - erst zu einer Konferenz in Dresden, dann zum Alumni-Treffen in Jena und anschließend zu Sathyas Hochzeit nach Indien. So langsam sollte ich anfangen, alle wichtigen Unterlagen zusammen zu sammeln und die ersten Dinge in den Koffer zu packen.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Bilder versprechen und dann nicht liefern,...

... das kann ich euch natürlich nicht antun. Schließlich habe ich einige der Bilder extra für den Blog geschossen. Und nachdem ich heute schon wieder in Helsinki war - diesmal um eine Arbeitsgruppe zu treffen, mit der wir zusammenarbeiten - zeige ich euch erst einmal die neuen Eindrücke von Helsinki. Altbekannte Gegenden wie den Bahnhof, die Kathedrale oder den Hafen habe ich bei meinem letzten Helsinki-Besuch vor einer Woche hinter mir gelassen und neue Orte fotografiert. Natürlich erst, nachdem ich das Visum für Indien beantragt hatte.

 Das Jahr 2012 ist ein besonderes Jahr für Helsinki - zum einen ist Helsinki die "Hauptstadt des Designs 2012", zum anderen feiert Helsinki den 200. Geburtstag des Hauptstadtstatus. Dem russischen Zar Alexander I. war Turku, die frühere Hauptstadt Finnlands, vor 200 Jahren nämlich zu weit von St. Petersburg entfernt und somit ernannte er das bis dahin unwichtige Helsinki zur neuen Hauptstadt des Landes.

 Zum Titel als Design-Hauptstadt gehören natürlich auch moderne Bauwerke wie das Kaisma-Museum für moderne Kunst...

 ... und solche Statuen vor dem Kunstmuseum.

Ein weiteres Projekt zur Design-Hauptstadt ist die Kamppi-Kapelle (Finnisch: Kamppi Kappeli)...

... auch Kapelle der Stille genannt. Eine Holzkapelle mitten in Helsinki.

Natürlich finden sich in Helsinki auch noch ältere Bauwerke, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

 Eine Villa zum Beispiel, die Villa Hagasund, die für Ausstellungen genutzt wird.

 Das finnische Nationalmuseum befindet sich genau auf der anderen Straßenseite. Zwei schöne Bauwerke in so kurzer Distanz, das hätte ich in Helsinki eigentlich nicht erwartet ;-).

Bei dieser überdimensionierten Erdbeerpflanze aus Metall bin ich selbst noch nicht so schlüssig, ob sie zu den schönen Seiten Helsinkis zählt oder lediglich als Bereicherung für das Designhauptstadt-Programm dient.

Vom Geocaching auf Hirvensalo habe ich euch auch noch Fotos angepriesen. Nachdem ich mit Charly und Thomas ja leider keinen Erfolg bei der Kunstkapelle hatte, konnte ich mit Alex und Carmen einen Blick ins innere der Holzkapelle werden. 

 Die Kunstkapelle auf Hirvensalo.

Ein Panorama-Foto vom Ausblick beim Geocaching - zum Vergrößern einfach draufklicken :)

Montag, 1. Oktober 2012

Kaum ist der Besuch verschwunden...

... schon dominiert die Arbeit wieder den Alltag. Schließlich produzieren sich die Ergebnisse für meine Doktorarbeit - oder erst einmal die dafür notwendigen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften - ja leider nicht von alleine. Und ein paar Versuche wollte ich noch abschließen, bevor ich im Oktober meine ersten zwei Vorträge außerhalb der Universität halten werde. Genug Motivation also, das Wochenende im Labor zu verbringen - schließlich hatte ich die letzten zwei Wochen doch sehr viel Freizeit (und ja auch immer einen schönen Grund, mir diese Zeit zu nehmen) und kann es ruhig verkraften, mal wieder ein Wochenende zu arbeiten. Außerdem lassen meine Kollegen und ich uns ja meist etwas nettes einfallen, wie wir uns die Wochenend-Arbeit schöner gestalten können. 
Zu Ehren des Oktoberfestes haben Marion und ich gestern ein Weißwurst-Frühstück im Kaffeeraum abgehalten. Keine Angst, wir haben uns natürlich kein Bier während der Arbeitszeit geleistet - aber dank Lidl war alles Andere, was man für das Weißwurst-essen benötigt schnell besorgt: Brezeln, süßer Senf und natürlich Weißwürste. Die größte Herausforderung war, einen Topf oder eine Schüssel zu finden, in der wir die Würste erwärmen konnten. Wir hätten schon fast in Erwägung gezogen, den Wasserkocher dafür zu missbrauchen, als wir doch noch eine Glasschüssel im Schrank entdeckt haben. 

Die Zutaten für das Weißwurst-Frühstück.

Samstag Abend habe ich dann spontan mit Linnea, Mikael und Marianne, einer Freundin von Linnea, verbracht, um Mikaels Geburtstag zu feiern. Wir saßen in Kuolu, der Bar in der alten Schule und haben ein seltsames Rätselspiel gespielt, nachdem uns die Mikado-Regeln nicht mehr einfielen und unsere erste Spielauswahl somit hinfällig war. Bei dem Rätsel-Spiel ging es hauptsächlich um Fragen zu Speisen, Getränken und zur Etikette, die wir in Zweierteam beantworten mussten. Jede Runde konnte man wählen, ob man die leichtere oder schwerere Frage beantworten möchte und die richtigen Antworten wurden mit einem bzw. drei Punkten honoriert - je nach Schwierigkeitsgrad. Die meisten Fragen habe ich bereits wieder vergessen, aber eine Frage zur Etikette war beispielsweise, wie man ein Weinglas anfasst und wer Adolph von Knigge war. 

Der heutige Tag war weniger spektakulär, die meiste Zeit habe ich mit Arbeiten verbracht. Die heutige Strategie, den Tag dennoch nett zu gestalten war, mal wieder mit meiner Familie zu telefonieren und mit meiner polnischen Kollegin einkaufen zu gehen.