Mittwoch, 30. November 2011

Das finnisch Ärztesystem...

... ist tatsächlich noch komplizierter, als das Deutsche. So ganz steige ich da noch nicht durch - aber ich habe hoffentlich bald die Registrierung als Student hinter mir und kann mich dann in dem studentischen Krankensystem versichern. Im Studentendorf, also da, wo die meisten Wohnheime stehen, gibt es dann ein eigenes Ärztehaus und die Zuzahlungen für die Leistungen sind wohl deutlich geringer, als bei den normalen Ärztehäusern. Es gibt es mehrere "Konzerne", die solche Ärztehäuser in Finnland betreiben. Man kann dort online oder telefonisch einen Termin für den jeweiligen Arzt bzw. jeweilige Gruppe von Ärzten machen (Allgemeinmediziner, Orthopäde, HNO,...). Zusätzlich zu den Ärztehäusern gibt es dann noch private Ärzte und wohl auch noch weitere Ärztehäuser für Privatpatienten. Von der Behandlung bei solchen Ärzten zahlt die KELA für gewöhnlich nichts oder nur sehr wenig zurück. Die Behandlung in den anderen Ärztehäusern wird wohl bei den meisten Behandlungen zum Großteil bezahlt. Einen kleinen Teil der Rechnung muss man als Erwachsener aber immer übernehmen. 
Heute dachte ich mir, ich teste das System Mal aus ;-). Na gut, ganz so war es nicht. Irgendwie macht mein rechtes Auge seit gestern Abend nicht das, was es soll. Manchmal wirkt mein Blickfeld kleiner als gewohnt und beim Wechsel zwischen nahen und weiter entfernten Gegenständen spür ich einen stechenden Schmerz hinterm Auge. Da ich ja im Frühling erst mehrere Sitzungen beim Augenarzt hatte um die Netzhaut an allen Stellen wieder anzulasern und dieses komische Gefühl im Laufe des Tages nicht verschwand, wollte ich dann doch mal einen Profi nachschauen lassen, dass alles so aussieht wie es sollte. Der Versuch beim Ärztehaus Nummer 1 scheiterte daran, dass sie scheinbar nicht jeden Tag einen Augenarzt vor Ort haben. Wie sich später rausstellte ist "nicht jeden Tag" schon die beste Option der Ärztehäuser. Denn Ärztehaus Nummer 2 hat in Turku generell keinen Augenarzt. Bei Ärztehaus Nummer 3 musste ich bereits in der Anmelde-Hotline aufgeben. Die einzige freie Mitarbeiterin der Hotline konnte kein Englisch und hat mich immer wieder in die Warteschleife geschubst. Von der ich dann logischer Weise wieder auf ihre Leitung geschickt wurde. Nach dem vierten mal habe ich aufgelegt und Linnea angerufen, ob sie Zeit hätte mir zu helfen :). Sie hat dann nochmals bei dem Ärztehaus angerufen. Die Dame am Telefon meinte, sie hätten keinen Augenarzt in Turku aber sie würde "Instrumentarium" empfehlen, einen großen Optiker - etwas vergleichbar mit Fielmann. Linnea hatte bereits vorher erwähnt, dass die großen Optiker auch Augenärzte angestellt haben. Dort haben wir dann auch einen Termin für den Nachmittag bekommen und die Zeit bis dahin mit einer Tasse Tee überbrückt. Beim Augenarzt stellte sich dann heraus, dass die Netzhaut noch an Ort und Stelle ist, eine Erklärung für die Schmerzen und dieses komische Gefühl, dass das Sichtfeld kleiner ist als gewohnt, konnte der Arzt allerdings nicht liefern. Ich hoffe also, dass das morgen alles wieder normal ist und heute einfach nur ein schlechter Tag für das Auge war. Aber wenigstens weiß ich nun, wo man in Turku einen Augenarzt findet.

Dienstag, 29. November 2011

Glögi und Pfefferkuchen...

... zum Feierabend sind echt was Feines :). Heute war ich nach der Arbeit wieder bei Linnea und Mikael. All die Bäume vom Pfefferkuchen"haus" wurden mittlerweile verspeist und Linnea wollte unbedingt für Nachschub sorgen, nachdem Mikael bereits einen der Hobbits gegessen hatte. Als ich heute ankam waren nur noch der Berg, der Turm und ein paar Krümel übrig. Also haben wir gaaaaanz viele neue Pfefferkuchen-Tannenbäume produziert und auch die Hobbits wurden wiederbelebt. Nach dem Backen und dem Abendbrot haben wir die ersten Kekse getestet und dazu einen Glögi getrunken. Da Mikaels Beschreibung für Glögi sehr treffend war, zitiere ich ihn einfach mal mehr oder weniger... Wenn man vom Glühwein den Alkohol wegnimmt und dafür einem Haufen Zucker dazu mischt, hat man Glögi. Es schmeckt in der Tat wie sehr süßer Kinderpunsch und wird häufig mir Wodka oder Wein gemischt. Traditionell gibt man außerdem Rosinen und Mandelflocken in das Getränk - die fehlten heute mal, aber es hat auch ohne irgendwelche Zusätze gut geschmeckt.

Der Glögi und die Pfefferkuchen.

Und täglich grüßt...

... die KELA. Na gut, nicht täglich. Aber mittlerweile kenne ich das KELA-Büro in und auswendig. Nachdem ich bisher verschiedene Meinungen hatte, was genau nun in meinem Brief von der KELA steht und ich so oder so eine Versicherungskarte beantragen musste, war ich heute morgen mal wieder bei dort. Ich bin also im Moment für 6 Monate bei der KELA versichert - genau so lange, wie ich meine Bezahlung nachweisen konnte. Nun habe ich der netten Sachbearbeiterin erklärt, dass ich insgesamt vier Jahre in Finnland sein werde - wie auch auf einem der Zettel steht, die ich bei der KELA eingereicht habe. Aber da ich nun einmal über verschiedene Stiftungen bezahlt werde, kann ich ihnen noch nicht für die ganzen 4 Jahre Belege liefern. Ich bezweifle. dass Jukka oder Matti oder sonst wer auf Arbeit heute schon weiß, von welcher Stiftung sie in 2 Jahren mein Gehalt bezahlen lassen. Nichts desto trotz wissen sie, dass sie es auch in 2 Jahren zahlen können. Nun hat sie nochmal eine Notiz auf meinen Zettel gekritzelt, dass dieser Zettel sozusagen ein permanentes (= mehr als zweijähriges) Beschäftigungsverhältnis in Finnland nachweist mit ich somit die Richtlinie für eine permanente KELA-Mitgliedschaft erfülle. Hoffentlich hilft das :) Dennoch werde ich auf Arbeit nach weiteren Unterlagen bitten und die KELA dann damit überhäufen bis sie mir eine ECHTE KELA-Karte geben. Denn aktuell bekomm ich eine Karte fürs Ausland (falls ich mal zum Arzt muss) und einen zusätzlichen Brief der mir auch innerhalb Finnlands helfen soll, medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Mit der KELA-Karte sind wohl aber noch andere Leistungen verbunden und ich müsste nicht jedes Mal, wenn mein Gehalt von einer neuen Quelle kommt erneut einen Antrag stellen.

Auf dem Weg zur Arbeit fiel mir auf, dass nun auch vor der Kathedrale ein großer Weihnachtsbaum steht:

Der Weihnachtsbaum vor dem Dom zu Turku.

Auf Arbeit angekommen habe ich festgestellt, dass meine Zellen im Zellkultur-Labor nicht so wachsen, wie ich erwartet hätte. Besser gesagt, irgendwie wachsen sie gar nicht mehr :-(. Also habe ich sie von der Petrischale gelöst auf der sie wachsen, und in neues Medium gepackt ohne sie zu verdünnen. Hoffentlich erholen sie sich nun. Eigentlich hätte ich die Zellen heute für den Versuch vorbereiten wollen, aber das wird nun wohl noch ein paar Tage warten müssen.

Sonntag, 27. November 2011

Eine gute Nachricht...

... zum Sonntagabend fand sich heute in meinem eMail-Postfach. Da Jukka nur einmal im Monat in Turku ist, öffnet er auch nur in diesen Abständen seine Post, die für ihn an die Universität gesendet wird. Diesmal fand sich darin ein Brief des Biocenter Finnlands mit der Zusage für ein Stipendium für ein Jahr. Ich hatte mich dort Ende September beworben und werde nun ein Jahr lang durch das Biocenter gefördert - was hauptsächlich bedeutet, dass die Hälfte meines Gehalts darüber finanziert wird. Insgesamt ist somit mein Gehalt nun wohl für meine gesamte Zeit in Finnland gesichert :-). 
Der heutige Tag bestand wie der gestrige Tag vor allem aus Aufräumen, Wäsche waschen und ein wenig entspannen. Außerdem habe ich einen kleinen Nachtspaziergang gemacht, um in die passende Stimmung für den 1. Advent zu kommen. Leider ist es immer noch so warm, dass statt Schneeflocken Regentropfen vom Himmel kommen. Dennoch sieht die weihnachtliche Beleuchtung in der Fußgängerzone im Dunkeln wirklich schön aus.

 Die Beleuchtung der Fußgängerzone.

Ein beleuchteter Tannenbaum vor dem Kunstmuseum.

Nun fehlt eigentlich nur noch der Schnee, damit es hier weihnachtlich wirkt. Aber laut Wetterbericht lässt der noch weiter auf sich warten. Meine Kollegin hat erzählt, dass ihre Kinder sich schon Sorgen machen, wie der Weihnachtsmann sie dann zu Weihnachten erreicht. Denn der Finnische Weihnachtsmann fliegt nicht mit dem Schlitten durch die Luft sondern gleitet wie ein normaler Schlitten auf dem Schnee. Aber es ist ja noch ein knapper Monat Zeit bis zum Fest. Genug Zeit, damit es doch noch schneit und um sich eine Erklärung einfallen zu lassen, wie es der Weihnachtsmann auch ohne Schnee bis zu den Kindern schafft.

Samstag, 26. November 2011

Das erste Weihnachtsgeschenk...

... habe ich mir heute beim Einkaufen schon einmal gesichert. Ehrlich gesagt ist meine Kreativität beim ausdenken guter Geschenke zur Zeit irgendwie gehemmt... Und wie das jedes Jahr so ist, hat mal wieder niemand einen Wunsch. Eigentlich hatte ich für den heutigen Tag gar keinen Weihnachtseinkauf geplant, ich wollte lediglich Lebensmittel kaufen und schnell mal bei der Post erfragen, was der Versand von Paketen und Maxibriefen nach Deutschland so kostet. Doch irgendwie habe ich mich von dem Weihnachtstrubel mitreißen lassen :-). Es liegt zwar immer noch kein Schnee, aber die Innenstadt ist weihnachtlich geschmückt. In der Fußgängerzone sind zwischen den Lampen noch leuchtende Ornamente aufgehangen und überall stehen kleinere Weihnachtsbäume rum. Nachdem ich alle Einkäufe erledigt hatte, stand Finnisch lernen auf dem Programm. Den Abend über hab ich mir ein paar Gedanken über die Arbeit gemacht, nach der Besprechung gestern musste ich erst einmal das Informationschaos in meinem Kopf ordnen und all die neu aufgekommenen Fragen etwas sortieren. Und den restlichen Abend habe ich endlich mal wieder ein Buch gelesen :)

Ein Meeting nach dem anderen...

... hat heute meinen Feierabend ziemlich weit nach hinten verschoben. Jukka, mein Betreuer, kam heute Nachmittag mal wieder in Turku an und die Gelegenheit musste immerhin genutzt werden. Zuerst wurde eine Besprechung gemeinsam mit dem Professor und meinem zweiten Betreuer abgehalten, danach haben Jukka und ich uns nochmal zu zweit genauer über meine Arbeit und die Pläne für die nähere Zukunft unterhalten. Dann kam ein weiterer Kollege um mit uns über meine KELA-Bewerbung zu sprechen. Wie es aussieht bin ich zwar nun erst einmal KELA-versichert, allerdings vorerst nur bis Ende Januar, da das Stipendium bis dahin mein Gehalt garantiert. Es scheint aber mit einem "Trick" auch möglich zu sein, die ganzen 4 Jahre für das Doktorstudium angerechnet zu bekommen, obwohl die Nachweise für die Bezahlung in kürzeren Zeiträumen erfolgt. Dann wäre ich dauerhaft über die KELA versichert und müsste nicht alle paar Monate einen neuen Antrag stellen. Ich hoffe, das funktioniert alles so, wie gedacht :). Anschließend haben Jukka und ich noch ein paar Sachen mit den verschiedenen Datenbanken und Dateiordnern geklärt bis er kurz vor 8 Uhr gehen musste, um seine Frau vom Bahnhof abzuholen. Obwohl wir echt viel geredet haben und auch einige Dinge geklärt haben, habe ich dank des ersten Meetings mit dem Professor nun deutlich mehr Fragen, als zuvor. Aber im März zieht Jukka wieder nach Turku und wird dann öfter zu erreichen sein :) Und bis dahin müssen wir eben das meiste noch per eMail klären. 
Endlich zuhause angekommen habe ich mir dann noch zwei Filme auf DVD angeschaut. Die ganzen Fragen die heute nicht geklärt wurden werde ich dann morgen in ein paar eMails zusammenfassen. Meine Wochenendpläne schließen im Moment sowieso viel Arbeit, Haushaltskram und Finnisch lernen ein. Immerhin geht es Mitte Dezember für mehrere Wochen zurück nach Deutschland, bis dahin hätte ich gern einige Versuche abgeschlossen.

Donnerstag, 24. November 2011

Eigentlich wollte ich...

... heute groß rumtönen, wie gut meine Versuche nun klappen. Aber irgendwie ist bei diesem Test der Wurm drin. Nun hat mir die Firma ja einen neuen Test zugesandt und beim genaueren Betrachten haben sie die Vorgehensweise etwas verändert. Leider braucht man nun doppelt so viel von der zu testenden Probe wie zuvor, also hatte ich versucht, die Proben vorab zu verdünnen. Nun klappt zwar der Test an sich für die vorgegebenen Standard-Konzentrationen aber scheinbar war das Verdünnen meiner Proben keine gute Idee. Unverdünnt damit zu arbeiten ist aber auch nicht optimal, da ich dann nicht all die anderen notwendigen Tests damit machen kann :(. Wenigstens hab ich somit genug Kram, den ich morgen mit Jukka besprechen kann, wenn er in der Stadt ist. Auch das Wetter heute passte zu diesem Misserfolg. Für Ende November ist es ungewöhnlich warm, weshalb all das Wasser leider nicht in Form von Schneeflocken vom Himmel fällt, sondern als ekliger Regen. 
Das einzige Highlight des Tages war, dass ich auf der Ausstellung einer Firma bei uns im Kaffeeraum ein paar Werbegeschenke abgestaubt habe - kostenloses Material zum sauberen Isolieren von DNA und solche Sachen... Auch wenn mir klar ist, dass die Menge für die Firma selbst vielleicht 1,50 € wert ist. Zusammen mit dem Kaffee und dem Kuchen ist ihnen unsere Email-Adresse, die wir hinterlassen müssen um die Webegeschenke zu bekommen also im Schnitt 2,50 € wert. 
Zuhause angekommen habe ich dann einen Brief von der KELA, der finnischen Sozial-, Renten-, Arbeitslosen-, und Krankenversicherung im Briefkasten gefunden. Wären die Leute so freundlich gewesen, auf meinen Antrag auf Aufnahme als Ausländerin auf einer anderen Sprache als Finnisch zu antworten, dann hätte das fast das zweite Highlight des Tages werden können :-). So muss ich noch bis morgen warten, damit mir jemand auf Arbeit übersetzen kann, was die KELA mir nettes mitzuteilen hat. 

Mittwoch, 23. November 2011

Ja ist denn heut'...

... schon Weihnachten?? Diese Frage kam mir nach der ersten Stunde auf Arbeit in den Sinn. Kaum habe ich den Korridor des Fachbereichs betreten, wurde ich auch schon von zwei Kolleginnen erwartet. Ich durfte gerade noch meinen Rucksack an meinem Platz abstellen und musste dann erklären, wieso für mich unangemeldet ein Paket geliefert wird. Ich war selbst etwas verwirrt, immerhin hatte ich in letzter Zeit nichts bestellt. Auch meine Freunde und Verwandte haben keine Arbeitsadresse von mir, somit habe ich keine Lieferung erwartet. Doch ein Blick auf den Lieferschein hat dann etwas Licht ins Dunkel gebracht, denn das Paket enthielt eine neue Version des Tests, der mich im September zum verzweifeln gebracht hatte (wer es nochmal nachlesen möchte, kann hier schauen: gibt es sowas wie einen Labortroll und Fehlersuche). Nachdem ich dann rausgefunden hatte, dass es eher an dem Test als an meiner Arbeit lag, hatte ich die Firma angeschrieben, bei der wir den Test gekauft hatten. Vor einer Woche kam endlich die Nachricht, dass sie mir einen neuen Test zum Ausprobieren schicken könnten, wenn ich noch Zeit und Interesse hätte, das Produkt nochmal zu testen. Interesse besteht allein schon deshalb, weil dieser Test über 1000 € kostet und ich noch eine Packung des nicht-funktionierenden Tests unbenutzt im Kühlraum lagere. Allein, um das Geld wiederzubekommen, bin ich sehr gespannt, ob der neue Test hält, was er verspricht. Nach dieser eMail kam jedoch keine weitere Information mehr, weshalb ich nicht damit gerechnet hatte, so schnell die Lieferung zu erhalten. Als ich die empfindlichen Komponenten des Kits in die Tiefkühltruhe und den Rest in den Kühlraum gepackt und den Verpackungsmüll beseitigt hatte, habe ich endlich meinen Computer hochgefahren. In meinem eMail-Postfach war eine Nachricht von Pirjo (unserer Lektorin/Koordinatorin), dass Jukka einige Blutproben von Patienten zu uns gesendet hat, auf ihrem Namen. Allerdings würde sie heute und morgen nicht im Büro sein und ich solle bitte überprüfen, dass die Proben entgegen genommen und bei der richtigen Temperatur gelagert werden. Mir fiel das große Paket ein, das neben meiner unerwarteten Lieferung stand. Und tatsächlich, es war für Pirjo bestimmt und kam vom Krankenhaus in Seinajoki - der Stadt, in der Jukka zur Zeit arbeitet. Also ging der Spaß von vorne los, die empfindlichen Proben in die ganz kalte Kühltruhe, den Rest in die normale Tiefkühltruhe, das Trockeneis mit Datum versehen und ins Lager bringen und den anderen Verpackungsmüll entsorgen. Da ich sonst nie Pakete bekomme und meine angekündigten Lieferungen von einer Sekretärin an den vorgegebenen Ort gebracht werden, fühlte es sich wirklich an wie ein Mini-Weinachten, gleich zwei Pakete an einem Tag zu öffnen. Wie ein Weihnachten für Biologen...

... denn niemand anders würde sich über biogefährliche Substanzen freuen ;).

Backe, backe Kuchen...

... Kuchen?! Nichts da, ein Pfefferkuchenhaus ist viel cooler! Zumindest, wenn Linnea und ich es backen. Glaubt ihr nicht? Na dann wartet mal ab ;-).

Der Tag begann heute sehr früh, da ein neues Teammeeting anstand, und ich meine Präsentation vor der Arbeit nochmal schnell durchgehen wollte. Nach dem Meeting habe ich mich auf den zweiten Vortrag des Tages vorbereitet: Die Abschlusspräsentation des Bildgebungskurses. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir wohl nicht so viel Mühe mit der Präsentation geben müssen, die meisten anderen Studenten hatten merklich weniger Zeit dafür investiert. Aber gut, sie arbeiten auch nicht mit den Leuten zusammen, die den Kurs organisieren. Dennoch war der Abschluss des Kurses nicht ganz so gut, wie vorab erwartet, keine wirkliche Diskussion, kein Austausch der Ergebnisse... Ehrlich gesagt, hätte man sich dieses Treffen auch sparen können. Aber was soll's, es zählt als Arbeitszeit, und meinen Feierabend habe ich heute, wie schon oben angedeutet, deutlich schöner gestaltet :-). Nach dem Kinobesuch am Sonntag hatte Linnea vorgeschlagen, dass ich ihr am Dienstag mit dem Bau eines Pfefferkuchenhauses helfen könne, wenn ich Zeit und Lust hätte. Also bin ich nach der Arbeit zu Mikael und Linnea nach Hause gefahren, habe mir eine Schürze umgebunden und schon ging die Planung für das etwas andere Pfefferkuchenhaus los... Linneas Idee war, den Schicksalsberg aus dem Buch/Film "Der Herr der Ringe" mit dem Lebkuchen-Teig nachzubauen. Am Tal des Berges sollten die Hobbits Frodo und Sam sowie Gollum durch den Wald wandern. Den Teig hatte Linnea schon vorbereitet und nach ein paar Skizzen im Notizblock wurden dann die Schablonen für die "Bauteile" ausgeschnitten, der Teig ausgerollt und nach und nach Berg, Halblinge (Hobbits) und Wald in Form gebracht und gebacken :-). Zum Schluss mussten "nur noch" alle Teile mit heißem Karamell zusammengeklebt werden. Ich finde, das Ergebnis unserer Arbeit kann sich sehen lassen:

 Der Pfefferkuchen-Schicksalsberg mit Saurons Auge auf dem Turm im Hintergrund...

... und Sam (der Pfefferkuchenmann links mit dem Rucksack), Frodo (Pfefferkuchenmann rechts daneben) und Gollum (das krabbelnde Gebilde in der Mitte des Bildes) nochmal etwas detaillierter.

Da ich nicht voraus setzen will, dass jeder der ab und an mal in meinem Blog vorbei schaut auch Herr der Ringe gelesen oder als Film gesehen hat, habe ich euch mal zwei Bilder des Schicksalsberges aus dem Internet gesucht. Damit alle eine Vergleichsmöglichkeit haben:

 Der Schicksalsberg auf einer Zeichnung ...
(Quelle: http://statics.mangaka.de/mangakade/bilder/sombra/48433/herr_der_ringe_schicksalsberg_orig.jpg)    
 
... und im Film.  
(Quelle: http://www.schule-urtenen.ch/pi/conquest/schlachtfeld%20schicksalsberg.jpg)

Ich finde, dafür, dass wir vorab keine Bilder angesehen und das Pfefferkuchen-Kunstwerk aus der Erinnerung und Fantasie erstellt haben, haben wir das recht gut getroffen :-). Vor allem, wenn man noch beachtet, wie wir den Pfefferkuchen-Schicksalsberg am Ende in Szene gesetzt haben:


Jaaa, wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um das Backwerk richtig zur Geltung zu bringen :-). Saurons Auge wird rot erleuchtet und der Vulkan glüht. Dank Fahrrad-Rücklicht und Teelichtern...
Haltet uns ruhig für verrückt, aber es hat massig Spaß gemacht, dieses Pfefferkuchen"haus" zu bauen und zwischendrin beim Abendbrot zu entspannen. Und zum Abschluss des Tages hat mir Linnea auch noch mit dem Finnisch lernen geholfen, bis mein Gehirn irgendwann versagt hat. Allerdings war es dann auch schon fast Mitternacht, so dass ich mich noch von Mikael verabschiedet habe und nach einem richtig spaßigen Abend nach Hause gefahren bin.

Sonntag, 20. November 2011

Ein Abend im Kino ...

... stand heute endlich mal wieder auf meinem Programm. Zusammen mit Linnea habe ich mir "Contagion" angesehen. Meiner Meinung nach ein toller Film, aber ich bin mir nicht sicher, wie ein nicht-Biologe darüber denkt. Als Biochemikerin und Pharmabiotechnologin sind Linnea und ich eventuell etwas voreingenommen. Der Film handelt davon, was beim Ausbruch einer neuartigen Infektionskrankheit passiert - von der Suche nach dem Ausbruchsherd und den Übertragungswegen bis zur Entwicklung und Verteilung des Impfstoffes. Das Ganze war überraschend realitätsnah (zumindest deutlich realistischer als all die Filme, in denen die Infizierten sich am Ende in eine Art Zombie verwandeln ;-) ), auf jeden Fall hat der Film uns beide gut unterhalten. Außerdem eignet sich so ein Kinobesuch mit selbstgemachtem Popcorn und Gummibärchen ist auch ideal um den Kopf mal wieder von den Gedanken an die Arbeit zu befreien.

Samstag, 19. November 2011

Der finnische Milch-Wahn...

... nimmt langsam seltsame Formen an :). Finnen sind ja angeblich Weltmeister im Eis essen und Kaffee trinken - das mit dem Kaffee kann man zumindest im Winter verstehen. Das mit dem Eis erschließt sich mir nicht so recht, zumal es hier kein besonders gutes Eis gibt. Zumindest habe ich noch keins gefunden. Aber ich glaube, Finnen sind auch Weltmeister im Milch trinken - falls man darüber jemals eine Statistik gemacht hat. Da in Finnland viele Leute Laktoseintoleranz haben, gibt es in den Läden massenweise verschiedenste Milchprodukte, die Laktosefrei sind oder weniger Laktose haben, als normal... Auch in der Mensa finden sich im Getränkeregal deutlich mehr Milchprodukte, als andere Getränke. Und man bekommt ein wenig das Gefühl, dass jeder, der keine Milch zum Mittag essen trinkt, Ausländer ist. Nun habe ich auch noch lustig bedruckte Milchpackungen im Laden entdeckt:

 Die 1,5 %ige Milch - für Finnen die "normale" Milch ;)

Die 3,2 %ige Milch - die Kuh sagt "Milch ist Energie". Vielleicht trinken die Finnen ja deshalb so viel Milch ;-)

Ansonsten ist zwar Wochenende, aber am Dienstag stehen zwei Vorträge an... Also muss ich mal wieder etwas Arbeiten und nutze die restliche Zeit zum entspannen, Haushalt machen usw. :)

Die Traditionen einer Dissertation

in Finnland sind schon interessant, auch wenn manche davon mir ein wenig Sorge bereiten... Ein bisschen gewinnt man den Eindruck, man sollte sein Gehalt lieber für den Abschlusstag sparen statt davon zu leben ;).

Heikki, der Doktorand (bzw. seit heute Doktor), sowie der Vorsitzende der Verteidigung (heute war das Matti) und der Opponent/Diskussionsgegner für die Verteidigung betraten kurz nach 12 Uhr im Frack den Vorlesungssaal und alle standen auf. Matti hatte einen Zylinder bei sich, den er vor sich auf den Tisch legte - was es damit auf sich hat erkläre ich nach dem allgemeinen Ablauf :). Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden fing Heikki dann an, eine 15-minütige Präsentation über sein Forschungsthema zu geben. Zum Glück hatte er bereits vor einer Woche jedem Mitarbeiter im Fachbereich eine gedruckte, signierte Version seiner Arbeit, eine Einladung zur Verteidigung und eine Einladung für die Feierlichkeiten am Abend überreicht. Somit hatte man vor Ort was rum Blättern und Nachlesen und schon vorab eine Möglichkeit, sich etwas über seine Forschungen zu informieren. 
Nach der Präsentation verlas er noch kurz einen Dank an den Opponent für sein erscheinen, bevor die beiden etwa zwei Stunden auf Englisch über Heikkis Arbeit diskutierten - oder anders gesagt, bevor der Opponent Heikki zwei Stunden lang gefragt hat, wieso er diesen und jenen Versuch nicht noch durchgeführt habe oder welche Techniken es für bestimmte Fragestellungen gibt. Im Anschluss an die Diskussion verlas der Opponent dann ein Gutachten zur Arbeit und der Verteidigung und erklärte, dass Heikki aufgrund der vorliegenden Arbeit und der positiven Verteidigung seiner Arbeit den Doktorgrad verliehen bekommen solle. Danach gab es für alle Anwesenden Kaffee und Kuchen in der Cafeteria des Gebäudes.

Zu dem Zylinder gibt es wie gesagt eine Erklärung... Nach der Dissertation in Finnland ist man berechtigt, einen Doktorhut zu kaufen - ein Zylinder in einer für den Fachbereich spezifischen Farbe mit einem Emblem des Fachbereichs. Hätte der Opponent seine Doktorarbeit in Finnland gemacht, wäre auch von ihm ein Zylinder auf dem Tisch gewesen. Laut Pirjo (Lektorin und eine meiner Betreuer(in)) kann man diesen Hut für etwa 2000 € erwerben. Sie selbst hat sich einen solchen Hut aber nie gekauft. Und auch der Hut, den Matti heute mit sich trug war nur ausgeliehen und daher nicht dunkelgrün, wie für Absolventen des Fachbereichs Medizin an der Universität Turku üblich. Eine andere Promotionsstudentin erzählte mir, dass man auch einen Degen erwerben könnte der vermutlich noch teurer käme, als der Hut. Nichts desto trotz ist das sicherlich eine nette Erinnerung, aber der Preis...

Am Abend gab es dann die große Feier. Gegen 18 Uhr trafen sich die besonderen/wichtigen Leute zum Abendbrot, was genau dort passiert, kann ich euch auch nicht sagen. Aber scheinbar muss der Doktorand dann zu jedem Anwesenden eine Rede halten, und die Leute halten wiederum eine Rede zu ihm. Alle anderen Gäste waren ab 20 Uhr eingeladen und mussten zunächst warten, bis das Dinner der Anderen vorbei ist. Allerdings wurden mit einem Buffet auch für unser leibliches Wohl gesorgt. Gespräche, Wein und Musik hielten die Stimmung am Leben... Gegen halb 10 stießen dann auch der Gastgeber und die restlichen Gäste zu uns. Die Party begann damit, dass fast alle finnischen Mitarbeiter ein Lied für Heikki einstudiert haben mit einem selbstgeschriebenen Text über seine Arbeit. Leider sind nur zwei Strophen in Englisch, aber sie passen wirklich gut zu Heikkis Thema und sind lustig. Zwei Kollegen haben sich außerdem die Mühe gemacht, noch ein Video zu drehen, was heute vorgeführt wurde. Heikki hat für seine Doktorarbeit sechs Jahre gebraucht und am Anfang liefen seine Versuche überhaupt nicht gut. Der Film sollte darstellen, wie die Kollegen seine Arbeit sabotiert haben, damit er nicht fertig wird und ihnen somit für immer am Fachbereich erhalten bleibt. Die Leute waren sehr kreativ, was man alles mit "seinen wirklich wichtigen Proben" so alles anstellen könnte. Am Ende des Videos stellt sich heraus, dass Heikki - gespielt von einem Kollegen mit einer Papiermaske mit Heikkis Gesicht) nur einen Albtraum hatte und Fotos und Videos des heutigen Tages wurden eingeblendet. 

Die Feierlichkeiten hier werden also wirklich wichtig genommen und die Leute hängen sich wirklich rein, die Feier für den Doktoranden unvergesslich zu machen. Die Traditionen mit dem Frack und dem Zylinder werden vor allem im Fachbereich für Medizin noch sehr gepflegt. Ich frage mich zwar noch, was wir Frauen dann dazu tragen, aber an sich gefällt es mir gut, dass so viel Aufwand darum betrieben wird. Immerhin ist es der höchste Studienabschluss, den man hier erreichen kann.

Donnerstag, 17. November 2011

So ein Tag im Labor...

... macht mir zwar Spaß, bringt mir aber keine neuen Eindrücke, die es wert wären, hier weitergegeben zu werden. Und nicht einmal das Wetter spielte heute mit. Aber immerhin habe ich alle geplanten Versuche geschafft und sogar mein Laborbuch auf den aktuellsten Stand gebracht. Morgen ist die Dissertation eines Kollegen, und ich weiß nicht, wie viel ich da auf Arbeit schaffen werde. Aber ich bin schon sehr gespannt, wie sowas hier abläuft. Immerhin steh ich in etwa 4 Jahren hoffentlich selbst an seiner Stelle :-). 

Als kleiner Trost für diesen unspannenden Bericht gibt es mal wieder bunte Stromkästen:

Beide Stromkästen im gleichen Stil, mit einem Wald-Druck im Hintergrund und ein paar Schatten als Motiv. Hier ein Segelboot...

...und an einer anderen Ecke des Platzes ein paar Läufer.

Mittwoch, 16. November 2011

Blumen für das Wandtattoo...

... hatten ja gestern noch gefehlt. Eine Blumenranke ohne Blumen, sowas geht doch nicht! Daher war mein erstes Ziel nach der Arbeit, diesen Missstand zu beseitigen:


Das fertige Wandtattoo. Blaue Ranken und lila Blumen. Mir gefällt es :-)

Aber nun komm ich mal zum Rest des Tages... Nachdem es diese Nacht scheinbar das erste mal Minusgrade gab, lag am morgen noch etwas Reif auf den Straßen. Ich dachte ja, Finnen seien Wintererprobt und machen nicht bei jeder Kleinigkeit das Streusalz-Fass auf... Gut, es war kein Streusalz sondern Sand und Rollsplit, die sie nun in der gesamten Innenstadt auf Fuß- und Fahrradwegen hinterlassen haben. Der erste richtige Schnee lässt aber laut Wetterbericht weiterhin auf sich warten. Solange genieße ich noch den Sonnenschein, der zwar mittlerweile relativ kurz vorhanden ist (Sonnenaufgang ist gegen 8, Sonnenuntergang gegen 16 Uhr) aber dafür umso mehr die Stimmung aufhellt :-). 
 


Mein erstes Wandtattoo...

... wurde heute geliefert :-) Und ich habe mich gleich nach der Arbeit daran gesetzt, es an die Wand zu kleben. Allerdings braucht das doch mehr Zeit, als ich erwartet hätte, so dass es bisher nur halb fertig ist:

Eine blaue Blumenranke.

Morgen kommt dann noch er zweite Teil an die Wand :-) Und dann beobachte ich mal, wie gut das ganze hält. Ich suche immer noch eine schöne Dekoration für die Wand hinter meiner Couch. Aber der Aufwand des Anklebens war bei dem relativ kleinen Motiv schon mehr als erwartet... Vielleicht wird es für das Wohnzimmer dann doch ein normales Bild oder bedruckter Stoff den ich an die Wand spanne... Vorschläge sind gerne willkommen.

Das Kleben war aber wenigstens eine gute Ablenkung vom Tag. Zwar hab ich ein paar Schwierigkeiten bei meinen Versuchen ausfindig gemacht und werde den Versuch morgen nochmal wiederholen, aber so richtig gut lief der Tag nicht. Ich komm schon wieder langsam in Stress, nächste Woche ist erneut Teammeeting und am selben Tag muss ich die Präsentation für den Bildgebungskurs abgeben. Außerdem sollte ich mein praktisches Projekt für den Mikroskopie-Kurs langsam mal zu Ende bringen... und dann noch einem unserer Master-Studenten dabei helfen, selbst diesen praktischen Teil zu machen (es handelt sich dabei um den Zahnmediziner, der schon das letzte Mal darauf aus war, dass Hilfe bedeutet, jemand anderes erledige seine Arbeit). Immerhin sind morgen wenigstens Ergebnisse für meine Versuche zu erwarten, somit kann der Tag ja nur besser werden.

Montag, 14. November 2011

Ein sonniger Spätherbst...

... steht mir hier laut Wetterbericht die nächsten Tage bevor. Und heute hat der Tag schon genau so begonnen... mit einem schönen Sonnenaufgang als ich das Haus verlassen habe:

Sonnenaufgang über den Dächern Turkus.

Bei diesem Anblick fällt es doch schon etwas leichter, die warme Wohnung zu verlassen und auf Arbeit zu fahren. Außerdem stand heute endlich mal wieder richtige Laborarbeit an. Zellen kultivieren, das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Zuletzt bei der Bachelorarbeit in Leipzig...
Außerdem wurde uns heute bekannt gegeben, welche Themen wir für die Abschluss-Präsentation des Bildgebungskurses ausarbeiten müssen. So ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, ob mein Thema eher die Belohnung oder die Bestrafung dafür darstellt, dass ich jede Stunde anwesend war und einen guten Bericht abgegeben habe. Irgendwie wurde ich bei der Themenverteilung als Joker immer nach hinten geschoben, bis nur noch das langweiligste Thema von allen da war... Die Methoden erklären :-/. Aber da muss ich nun durch, nächsten Dienstag ist die Präsentation und dann habe ich den Kurs endgültig abgeschlossen. Das allein sollte die Arbeit doch wert sein. Und vielleicht kann ich mich ja zum ausarbeiten des Vortrags in die Bibliothek setzen, nahe am Fenster, um noch ein paar der schönen Sonnenstrahlen einzufangen :-).