… von Helsinki nach Tallinn und zurück war, wie schon
erwähnt, etwas speziell. Am Fährterminal war erst einmal anstehen angesagt um
die Tickets für die Hin- und Rückfahrt zu bekommen. Das Ticket dient
gleichzeitig als Zugangskarte für die Kabine, falls man eine gemietet hat. Ich
bin mit dem Cruise-Schiff nach Tallinn gefahren, habe auf dem Schiff
übernachtet und es am nächsten Morgen verlassen. Das Cruise-Schiff ist
sozusagen das Partyschiff. Die Fahrt dauert vergleichsweise lang (dreieinhalb Stunden)
und an Board gibt es mehrere Restaurants, einen Supermarkt (für Alkohol und
Süßes sowie eine Parfümerie und einen Design- und Spielwaren-Shop. Außerdem
gibt es mehrere Bars, eine Disko, Karaoke und eine Bühne mit finnischer
Stand-up Comedy und eine große Bühne samt Tanzfläche… und die hier allseits
beliebten Spieleautomaten.
Übersicht über das Cruise-Boot.
Zurück ging es dann
mit der Shuttle-Fähre, da auf dem Cruise-Schiff kein Platz von Tallinn nach
Helsinki mehr frei war. Ansonsten hätte ich auch meine Wertsachen in der Kabine
lassen können während des Ausflugs in die Stadt. Die Shuttle-Fähre braucht nur
zwei Stunden für die Strecke, dafür ist der Supermarkt kleiner, beziehungsweise
Parfümerie und Design-Shop sind in den gleichen Laden integriert. Spieleautomaten
und ausreichend Bars gibt es aber auch auf diesem Schiff.
Übersicht über das Shuttle-Boot.
Die Kabinen auf dem Schiff sind eigentlich okay, zumindest meine
Ein-Mann-Kabine war ganz in Ordnung. Ein Fenster wäre natürlich nett gewesen, hätte
allerdings mehr gekostet. Eine 4-Mann-Kabine fände ich dann vergleichsweise
klein, da der Platz nicht deutlich mehr wird, nur die Anzahl an Betten (dann
übereinander gebaut) nimmt zu.
Schlafbereich
Wohnbereich
Badezimmer
Das Publikum war wirklich etwas ungewöhnlich. Natürlich gab
es „normale Touristen“ wie Martina und mich, die einfach günstig von Helsinki
nach Tallinn kommen wollten, um die Stadt zu sehen. Im Restaurant beim Buffet
gab es auch eine Familie, die auf dem Schiff den Geburtstag eines älteren
Herren gefeiert haben. Und vereinzelt waren auch Familien mit kleineren Kindern
auf dem Schiff. Aber die Mehrheit der Cruise-Schiff-Nutzer schienen
hauptsächlich deswegen mit der Fähre zu fahren, weil man dort günstig Alkohol
einkaufen kann. Die normalen Menschen haben sich vermutlich in ihre Kabinen
verzogen oder aufs Außendeck oder in eines der Restaurants begeben. Der Rest
teilte sich auf zwischen den Bars und dem Supermarkt. Theoretisch ist der
Verzehr mitgebrachter oder auf dem Schiff gekaufter Getränke verboten. Aber das
scheint nur wenige zu stören. Wer etwas mehr Geld hat und nicht auf dem Gang
oder der Kabine mit dem Supermarkt-Alkohol feiern wollte, lies sich eben für
etwas mehr Geld in der Bar reichlich mit Alkohol versorgen. Auch hier war das
trinken noch günstiger, als in finnischen Bars. Nach etwa zwei Stunden fiel es
die ersten Passagiere sichtlich schwer, noch gerade zu laufen und sicher zu
stehen. Etwa zu der Zeit begannen die heranwachsenden weiblichen Passagiere,
sich aufzutakeln für die Board-Disco oder das Abend-Programm auf der Bühne. Der
Zweck dessen erschloss sich mir nicht ganz, da zu diesem Zeitpunkt wohl die
wenigsten Jungs noch in der Lage gewesen wären, sie klar und deutlich statt
doppelt und dreifach zu sehen ;-).
Da wir das Schiff am Abend nicht mehr verlassen konnten,
weil wir auf dem Schiff schlafen wollten, sind Martina und ich nach 2 Stunden
zum Büffet gegangen, um Abendbrot zu essen. Hier konnte man viele der normalen
Touristen wiedersehen, aber auch von denen waren recht viele schon leicht
angetrunken. Was mich wirklich etwas schockierte war der Fakt, dass nicht nur
junge Erwachsene sich auf dem Schiff die Kante gegeben haben, sondern auch Mittvierziger/
und –fünfziger nach etwa vier Stunden Hilfe beim Laufen gebrauchen konnten –
Männer und Frauen. Nach vier Stunden hing dann auch schon ein vereinzelter
Schuh irgendwo am Geländer im Gang und die ersten Leute irrten komplett orientierungslos
über das Deck… Eine Weile war es lustig, die Leute zu beobachten, gegen
Mitternacht haben wir dann dennoch entschlossen, in unsere Kabinen zu gehen.
Immerhin wollten wir Tallinn sehen und ab 8:30 konnte man das Schiff morgens
verlassen. In der Kabine habe ich den Fernseher noch einmal kurz eingeschalten.
Man bekommt zwei Programme – ein Werbesender über die Fährgesellschaft und eine
Live-Übertragung aus der Disco und dem Bühnenraum, immer im Wechsel geschalten.
Nach Mitternacht war dort richtig was los und vom Geräuschpegel auf dem Flur
ging die Feier die gesamte Nacht durch.
Entsprechend viele fertige Gesichter waren am nächsten Morgen
zu sehen… Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Martina und ich als eine
der ersten das Schiff verließen und die Innenstadt erreichten. Dadurch kam auch
zu den Bildern einer menschenleeren Stadt. Gegen 11:00 Uhr füllte sich die Stadt
dann jedoch schlagartig, da dann die ersten Shuttle-Fähren für die
Tagestouristen, die nicht auf einem Boot nächtigen, anlegten. Die
Stadtbeschreibung gab es ja bereits gestern, also kommt nun nur noch ein kurzer
Bericht über die Rückfahrt.
Die Shuttle-Fähre wurde eindeutig von mehr normalen
Touristen bereist, der Altersschnitt schien höher zu sein verglichen mit dem
Cruise-Schiff und es gab tatsächlich mehrere Menschen, die Wasser oder Cola
getrunken haben. Aber auch hier sah man Jugendliche und Erwachsene (auch 50+)
mit Getränkedosen in der Hand, bevor das Schiff überhaupt den Hafen verlassen
hat… Der Supermarkt war anfangs auch sehr voll, jedoch verglichen mit der
Cruise-Fähre schon fast leer. Immerhin konnte man sich in den Gängen bewegen
und die Kassenschlagen waren ein Zehntel so lang. Zugeschlagen wurde auch hier
ordentlich. Immerhin sind die Angebote schon entsprechend gemacht. Die harten
Alkoholika kosten in etwa so viel, wie am Flughafen im DutyFree-Shop. Außerdem
gibt es zahlreiche nimm 3 für 2 oder 4 für 3-Angebote beim Alkohol und den
Süßigkeiten… Und das besondere Highlight: 4 x 24 Dosen á 33cl Bier (0,33 Liter,
also normale Dosen) in Pappkartons mit
kleinem Rollwagen, damit man die Einkäufe auch komfortabel transportieren kann.
Und das dann noch für 71% weniger Geld, als in Finnland. Hier mal das Plakat:

Für jeden Geschmack was dabei.
Wie gesagt, Tallinn gefiel mir wirklich gut, aber das nächste Mal werde ich wohl in beide Richtungen die Shuttle-Fähre buchen und dann über Couchsurfing nach einer günstigen Schlafgelegenheit in der Stadt schauen. Dann hab ich auch gleich nette Stadtführer und die Möglichkeit, mir mehr Zeit zum Sightseeing zu nehmen :).