Samstag, 14. April 2012

Am dritten Tag in Tallinn...

... ging es für uns am Abend wieder zurück nach Finnland - schließlich waren die Osterfeiertage dann auch schon wieder vorbei. Aber da unsere Fähre erst um 18 Uhr ablegte, konnten wir noch einen ganzen Tag in der Stadt verbringen. Nach dem Auschecken aus unserem Hostel und einem kurzen Frühstück am Markt haben wir unser Gepäck zum Hafen gebracht. Von da liefen wir entlang der Ostseeküste zu einem alten Gefängnis, das heute als Museum dient. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem riesigen Bauwerk vorbei, das mir ein paar Rätsel aufgegeben hat:

 Die erste Ebene nach dem ersten Treppenaufgang, allein dieses Plateau war gigantisch groß.

Der Blick von der zweiten, obersten Ebene in Richtung Meer. In der Mitte zwischen den zwei Stegen befindet sich ein Hubschrauber-Landeplatz.

Wie gesagt, mir erschloss sich vor Ort nicht, wozu dieses Gebäude mal gedient haben könnte. Für einen Militär-Hafen wäre es mit den vielen Treppen wohl eher unpraktisch gewesen. Aber für Tourismus-Zwecke würde man doch nicht wirklich einen Hubschrauber-Landeplatz benötigen. Glücklicher Weise findet man heutzutage im Internet ja auf jede Frage eine Antwort... Es handelt sich um die  Linnahall, die Stadthalle Tallinns, welche 1980 zum Anlass der olympischen Spiele in Moskau errichtet wurde - die Segel-Wettbewerbe fanden damals vor Tallinn statt. Die Stadthalle beherbergt wohl eine Eissporthalle, einen Konzertsaal und ein 6000 m² großes Foyer.

Nach dem Abstecher zu diesem riesigen Bauwerk haben wir unseren Weg zum Gefängnis fortgesetzt und mussten dort feststellen, dass wir lieber die Öffnungszeiten zu Ostern vorab erfragt hätten. Das Gefängnis-Museum war geschlossen. Also haben wir den restlichen Tag erneut in der Altstadt verbracht. Auf einem kleinen mittelalterlichen Markt gab es die Möglichkeit, eine "Glücksmünze" selbst zu prägen. Dazu legt der nette Händler einen Münz-Rohling in einen Metall-Zylinder, der am Boden mit einem der beiden Prägemotive ausgestattet ist. Anschließend verschließt er den Metall-Zylinder mit einem Metall-Stab, an dessen Unterseite das zweite Motiv befestigt ist. Man selbst darf dann mit dem Hammer drei Mal kräftig draufhauen. Der "Legende" nach geht innerhalb eines Jahres ein Wunsch in Erfüllung, an den man während des Prägens denkt... Mir ging es beim Prägen mehr um die Münze als Andenken, als um den Wunsch, aber vielleicht erfüllt er sich ja dennoch - schaden kann es ja nicht, sich dabei etwas zu wünschen :). Natürlich hab ich auch ein Bild von meinem Ergebnis:

Meine Tallinn-Münze, mit der Siluette der Stadt auf der einen Seite und dem Domberg auf der Anderen.

Nachdem wir uns anschließend mit einem Eierkuchen gestärkt haben, wollten wir den kulturellen Teil der Reise mit dem Folter-Museum abschließen. In dem Museum war ich etwas erstaunt, wie viele Folterwerkzeuge in Deutschland erfunden wurden oder zumindest hauptsächlich dort verbreitet waren! Eigentlich fiel es auch nicht mir auf, sondern meinen Kollegen, die den restlichen Tag merkwürdig zuvorkommend und freundlich waren ;). 
In den letzten eineinhalb Stunden in Tallinn haben wir dann noch einmal ausgenutzt, dass die Geschäfte auch an Ostern geöffnet waren, und sind Einkaufen gegangen. Das war allerdings nicht meine Idee, denn ich wusste schon, wie das endet. Die Leute, die unbedingt shoppen gehen wollten, haben am Ende des Tages nichts zum Kaufen gefunden. Und ich, wo ich doch eigentlich kein Interesse hatte, durfte den restlichen Tag meinen Einkauf durch die Gegend tragen: eine neue Kaffee-Maschine. Meine aus Deutschland mitgebrachte Kaffeepad-Maschine hat nun endgültig den Geist aufgegeben, nachdem sie mir die letzten Wochen schon sehr wässrigen, lauwarmen Kaffee serviert hatte. Allerdings konnte ich mich in den Kaufhäusern in Turku bisher nicht entscheiden, welches Kaffee-System nun bei mir Einzug halten sollte. Das Finnland-eigene System scheidete allein schon deshalb aus, weil mir die am weitesten verbreitete Kaffeemarke nicht schmeckt. Eine normale Kaffee-Maschine ist für wenige Tassen eher ungeeignet und übrig blieb das "Dolche Gusto" Kaffee-Kapsel-System, das mit seinen riesigen Kapseln nicht nur viel Plastikmüll produziert, sondern auch noch erstaunlich wenig Geschmackrichtungen im Angebot hat. In einem Elektro-Markt in Tallinn fiel mir dann eine Senseo Kaffeepad-Maschine ins Auge. So kann ich nun auch meinen Vorrat an Kaffeepads weiter aufbrauchen und bekomme gewohnt leckeren Kaffee am Morgen.
Mit der neu erworbenen Kaffeemaschine im Gepäck haben wir dann unsere Taschen am Hafen aus dem Schließfach geholt, uns auf die Fähre begeben und erst einmal die Rückkehr von Helsinki nach Turku geplant. Da wir ungern zwei Stunden auf den nächsten Zug warten wollten, haben wir am Hafen das erstbeste, freie Taxi genommen und hatten scheinbar viel Glück, einen belgischen Taxi-Fahrer zu erwischen. Der war nicht nur froh, mal wieder alle möglichen Sprachkenntnisse aufzufrischen (Französisch, Deutsch, Niederländisch) sondern hat auch noch sein Bestes gegeben, um uns möglichst schnell zum Bahnhof zu bringen. Dank ihm haben wir tatsächlich noch den frühen Zug erwischt und es vor Mitternacht ins Bett geschafft. Die erste Nacht zurück im eigenen Bett war wundervoll, nur leider viel zu kurz, denn am Dienstag morgen ging es ja wieder direkt zurück ins Labor.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen