… und das Ende April, an einem der ersten warmen Frühlingswochenenden. Nicht, dass ich mich nun sonderlich alt fühlen würde. Aber Erasmus Austauschstudenten haben doch einen lockereren Auslandsaufenthalt, als ein Doktorand im Ausland. Dementsprechend gross waren die Erwartungen bei Milena und mir, dass ein Wochenende mit viel Party und, naja,... Alkoholkonsum vor uns lag. Schliesslich hatten wir uns für einen Erasmus-Ausflug nach Åland angemeldet, ein Haufen Studenten auf einer Insel, die vor allem Meer, Wald und weite Felder bietet, mit einer Unterkunft, die weit entfernt von Läden, anderen Menschen o.ä. lag. Allerdings erfüllten die Erasmus-Studenten, die sich auch für den Ausflug gemeldet hatten, nicht gerade das Klischee der Standard-Austauschstudenten. Und somit bot unser Wochenende doch mehr, als Trinkspielen und am Strand rumliegen.
Die Unterkunft bestand aus einem Hauptgebäude mit Toiletten, Duschen, Gemeinschaftsküche, grosser Terrasse und drei Aufenthaltsräumen, 6 kleinen Holzhäusern mit jeweils 6 Betten, einem Grillplatz mit kleiner Hütte, Bootshaus und, natürlich, einem Saunahaus. Am ersten Abend wurden Sauna und Grill angeheizt und wir haben als erste Gäste des Jahres das Ruderboot zu Wasser gelassen. Beim ersten Ausflug mit dem Ruderboot haben wir es dann auch gleich fertig gebracht, eine der beiden Rudergabeln im Wasser zu versenken - natürlich so, dass sie nicht mehr aufzufinden war. Der Rückweg dauerte somit gute eineinhalb Stunden, eine beachtliche Zeit, wenn man bedenkt, dass wir vorher erst 20 Minuten unterwegs waren… Aber zum Glück befanden sich im Bootshaus noch weitere Rudergabeln, so dass wir nicht das restliche Wochenende auf Ausflüge mit dem Boot verzichten mussten. Nach diesem tollpatschigen Start haben wir den Abend dann mit Musik auf der Aussenterrasse ausklingen lassen.
Die Hütten der Unterkunft mitten im Nirgendwo.
Das Boot, nach unserem Ausflug und somit mit nur einer Rudergabel. Aber es gab ja noch Ersatz im ...
... Bootshaus der Unterkunft.
Am nächsten Tag haben sich mehrere kleine Gruppen für verschiedene Unternehmungen gefunden. Eine Gruppe wollte im angrenzenden Wald wandern gehen, die nächsten hatten geplant, mit dem Boot zur nächsten Insel zu rudern und dort ein Picknick abzuhalten und eine andere Gruppe wollte in die Stadt Mariehamn fahren. Da ich bisher noch nicht auf Åland war, gefiel mir die Idee, zumindest die Hauptstadt der Insel zu sehen recht gut. Also liefen wir eine Stunde zur Bushaltestelle - die Unterkunft lag wie schon gesagt, weit ab von allem - und mit dem Bus ging es dann innerhalb von einer viertel Stunde nach Mariehamn.Dort haben wir und einen Überblick über die kleine Stadt verschafft, den Ausblick vom Felsen am Aussichtsturm genossen, da der Turm selbst abgeschlossen war, einen Kaffee getrunken und unsere Lebensmittelvorräte aufgestockt, bevor es Zeit war, mit dem letzten Bus des Tages wieder zurück zur Unterkunft zu fahren. Naja, in die Nähe der Unterkunft, die Stunde Fussweg lag ja noch zwischen der Bushaltestelle und unseren Hütten. Am zweiten Abend gab es eine grosse Grillfeier, diesmal mit Alkohol - allerdings immer noch deutlich weniger, als wir von Erasmus-Studenten erwartet hatten - und Kartenspielen.

Ein kleiner Einblick in Mariehamn, die Hauptstadt Ålands.
Die Aussicht vom Aussichtsturm-Berg.
Sonntag morgen stand dann auch schon die Abreise an, wir haben nur noch schnell die Hütten durchgefegt, die Küche geputzt und dann auf den Taxidienst gewartet, der uns zum Fähre bringen sollte. Die Rückfahrt fand dann mit dem neuesten Fährschiff des Viking-Line Unternehmens statt, sozusagen eine Luxusfähre. Das Boot hat eine schöne Innenausstattung vorzuweisen, eine Lounge mit Deckenbeleuchtung, die ihre Farbe wechselt, mehrere Bars und Restaurants, eine Diskothek mit Bühne, auf der gelegentlich mittelmässig bekannte Bands auftreten… und, wie sollte es anders sein, ein grosser Supermarkt mit steuerfreiem und somit günstigem Alkohol, Parfum, Schuhen, Markenkleidung und was das finnische Herz noch so begehrt: Lakritze und andere Süssigkeiten. Leider wird das Boot von den Kunden aber auch nicht besser behandelt, als die weniger luxuriösen Modelle. Daher stellt sich mir immer noch die Frage, wieso sie Teppichböden auf dem ganzen Schiff verlegt haben. Schliesslich feiert nicht jeder so gemässigt wie die Erasmus-Studenten auf meinem Åland-Trip.

Die Viking-Grace Lounge auf der Fähre.
Jaaa, ich weiss. Ich habe lange nichts geschrieben, aber ich werde in den kommenden Tagen versuchen, die wichtigsten Ereignisse der letzten Monate zusammen zu fassen. Und für die Zukunft werde ich versuchen, zumindest 1-2 x in der Woche zu schreiben. Mittlerweile hat dann doch der Alltag Einzug gehalten, es gibt nicht mehr allzu viel Neues hier in Finnland. So langsam habe ich mir auch einen grösseren Freundeskreis in Turku aufgebaut, und verbringe kaum noch einen Abend zuhause - was mir auch nicht sonderlich viel Zeit zum Blog-Einträge schreiben lässt. Aber ich gelobe Besserung :).
Wie schön, du schreibst wieder!
AntwortenLöschenDeine Bilder machen wieder Lust auf Finnland. Lustigerweise ist uns auch in Irland immer eingefallen, was zwischen Turku, Tampere und Helsinki schöner ist als im Nirgendwo zwischen Dublin und Galway... Aber es ist ja bald nächstes Jahr ;-)